ImageDie Mühlviertlerschnellstraße S-10, einer der "Transeuropäischen Korridore" für den Auto- und LKW-Verkehr ist erst seit kurzem fertig, schon werden die negativen Auswirkungen auf die Raumordnung und die regionalen Wirtschaftsstrukturen deutlich.

 

Das Möbelhaus "XXX-Lutz" plant an der S-10 Ausfahrt "Freistadt-Süd" einen neuen Megamöbelmarkt.  Der phantasielose Weg der Zerstörung wertvollen lokalen Kulturguts zugunsten eines Einheitsbreis an Supermarktketten, die völlig auf den Automobilverkehr zugeschnitten sind, geht damit weiter. Der Bezirk Freistadt verfügt über eine lange Tradition der Holzverarbeitung und Möbelherstellung, getragen von vielen kleinen und mittleren Unternehmen. Diese werden mit dieser Entwicklung weiter an den Rand gedrängt. Die Devise lautet "Wegwerfmöbel statt regionale Qualität".

Befremdlich ist in diesem Zusammenhang die Haltung der Wirtschaftskammer. Deren Obfrau, Gabriele Lackner-Strauss, spricht von der "Bedeutung von Betriebsansiedlungen in räumlichen Regionen". (Bezirksrundschau Freistadt, Nr. 12, 2016)  Was "räumliche Regionen" sind, bleibe dahingestellt. Faktum ist, dass es eine große Zahl an Leerständen von Geschäftsflächen im Innenstadtbereich von Freistadt gibt und es keinerlei Bemühungen der Wirtschaftskammer gibt, daran etwas zu ändern. Der Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer, Dietmar Wolfsegger, meint lapidar: "Einen Möbel- und Einrichtungshandel kann man halt nicht auf 80 Quadratmetern in einem Innenstadtlokal betreiben." Die neue Wohnzimmercouch kann man aber auch nicht im Mittelklassewagen nach Hause transportieren. Wiedereinmal zeigt sich: Die Wirtschaftskammer ist die Interessensvertretung der großen Konzerne. Für die kleinen und mittleren Unternehmen gilt die Devise: Wer solche Interessensvertreter hat, braucht keine Gegner mehr.

Boris Lechthaler
(20.4.2016)