Offener Brief der Initiative Verkehrswende-jetzt! vom 16.12.2025 an den Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer. In Ihm wird die Entlastungslüge erläutert, mit der uns die politisch Verantwortlichen die A26-Autobahn verkaufen wollen. Lesenswert, nicht nur für den Bürgermeister!


Linz, 16.12.2025

Offener Brief an Brügermeister Dietmar Prämmer
betreffend auf Ihr Schreiben vom 3.11.2025 zur A26

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Prammer!

Danke für Ihre Rückmeldung vom 3.11.2025. Da unterscheiden Sie sich von den anderen Politkern, die sich bei der A26 weitgehend auf das Verkünden von falschen Fakten beschränken.

Zu Ihrem Brief: Wir reden nicht von Zwischenständen oder Projektphasen und es bleibt bei uns kein wesentlicher Planfall unberücksichtigt. Um die Haltlosigkeit ihrer Argumentation zu begründen, fassen wir nochmals die wesentlichen Erkenntnisse zusammen:

1) Die ASFINAG hat ein vollkommen fiktives Modell erstellt, für den Fall, dass die A26 nicht gebautwird (=Nullplanfall), das eine Steigerung des Verkehrs für die Linzer Innenstadt um rd. 44% bis 2030 (gegenüber dem Bestand 2010) vorsieht. Dieses Modell ist vollkommen kontrafaktisch, da z.B. eine Steigerung des Verkehrs auf der Nibelungenbrücke von 45.000 auf 62.000 KFZ-Fahrten angenommen wird. Aufgrund der Nadelöhrfunktion dieser Brücke ist diese Annahme denkunmöglich. Und sie ist daher auch nicht eingetreten, im Gegenteil: Wir haben ja bald 2030 und können daher die Entwicklung des Verkehrs ohne A26 real sehen: Die Realität ist, dass der Autoverkehr auf der B127, dem maßgeblichen Zubringer zur A26, in den letzten 10 Jahren kontinuierlich gesunken ist, bis Oktober 2024 um rund 15 Prozent.

Siehe Beilage 1: Die Verläufe in den Grafiken der Beilage 1 zeigen die extremen Abweichungen der Prognosen von den tatsächlichen Verkehrsentwicklungen. Nur wenn die grünen Linien (tatsächlicher Verkehr) in der Nähe der rot-strichlierten Linien (Nullplanfall) liegen würden, hätten die Prognosen gestimmt. Sie sind aber so eklatant wo anders, dass ein weiteres Betreiben dieses Autobahnmonsters, das vorrangig wegen der Entlastung von einem (vermeintlich) massiv zunehmenden Verkehr als unverzichtbar verkauft wurde, nicht mehr zulässig ist.

2) Dieses fiktive Hochrechnen (Nullplanfall) war aber notwendig, um die tatsächliche Belastung für den Fall, dass die A26 bis 2030 gebaut würde(=Betriebsphase), als Entlastung verkaufen zu können. Die Betriebsphase geht nämlich von einem Zuwachs gegenüber dem Bestand (2010) von 32 Prozent aus. Nun hat man es wie ein ausgefuchster Supermarkt-Manager gemacht: Den Preis zunächst fiktiv um 44 Prozent erhöht, damit eine reale Preissteigerung um 32 Prozent wie eine Senkung um 12 Prozent wirkt. Nur dass es in diesem Fall um die Entwicklung der Belastung durch Autoverkehrswege geht (siehe Beilage 2). Und mit diesem Supermarkt-Schmäh versuchen die politisch Verantwortlichen die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen und die A26 durchzudrücken. Wir bezeichnen das als „Entlastungslüge“.

3) Nun könnten Sie einwenden, dass zwar nicht die Prognosen des Nullplanfalls eingetreten sind, aber die Entlastung um 12 Prozent könnte sich ja trotzdem erfüllen, wenn die A26 gebaut werden würde. Aber auch hier wird kontrafaktisch argumentiert:  Wenn das Nadelöhr durch den Bau einer neuen Straße geöffnet wird, kann eben der Verkehr, der im Nullplanfall nur fiktiv geflossen ist, real entstehen. Und dass das passieren wird, kann man an der Verkehrsentwicklung sehen, die seit der Öffnung der Donautalbrücke erfolgt ist. Allein die Öffnung dieser Brücke hat mit einem Schlag den Erfolg von 10 Jahren Verkehrsreduktion auf der B127 zunichte gemacht und den Autoverkehr um 10 bis 15 Prozent wieder nach oben schnellen lassen (siehe Beilage 3). Das ist aber nur ein laues Lüfterl im Vergleich zu dem, was passieren wird, wenn die A26-Tunnelautobahn errichtet wird, die den Verkehr mitten in die Stadt hereinschleust. Eine rund 30-prozentige Steigerung des Autoverkehrs (gegenüber dem Bestand 2010, wie sie die ASFINAG angenommen hat) ist dann höchst realistisch – weil die Autobahn das erst möglich macht!  

Sehr geehrter Hr. Prammer, Sie haben der Klimaallianz OÖ vor der Bürgermeisterwahl 2024 Ihr Ziel für eine Entwicklung des Autoverkehrs mit rund minus 19 % (von 42 auf 23%) im Modalsplit (bzw. minus 45 % absolut) mitgeteilt. Also ein Minus von 125.000 Autowegen in Linz bis 2040 - und nicht 30.000 mehr durch die A26 wie es die ASFINAG prognostiziert. Wenn Sie dieses Ziel ernst gemeint haben, müssen Sie sofort diese Monsterautobahn beerdigen und alle Kraft und Mittel auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs konzentrieren.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Sie haben dieses monströse Projekt von Ihren Vorgängern geerbt. Sie können eingehen in die Geschichte als Bürgermeister, der ein neues Kapitel in der Stadtgeschichte schreibt, indem Linz alles in seiner Macht Stehende tut, dieses monströse Projekt zu verhindern und damit das Tor zu einer nachhaltigen Zukunft öffnet. Oder Sie können eingehen in die Annalen der Stadtgeschichte als rückwärtsgewandter Bürgermeister, der um jeden Preis eine Verkehrspolitik durchzusetzen versucht, die in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhundert schon falsch war, heute aber - in Zeiten der drohenden Klimakatastrophe  - ein Verbrechen gegenüber den zukünftigen Generationen darstellt. Dazu 2 Schlagzeilen aus dem orf.at im November 2025: „Erde auf Weg zu katastrophaler Erderwärmung“, „Erde steuert auf 2,8 Grad Erwärmung zu“.

Auch für das Stadtklima und die Lebensqualität der Bürger:innen in der Stadt wirkt dieses Projekt verheerend. Einen Vorgeschmack darauf haben schon die rücksichtlosen Baumfällungen am Bergschlössl- und im Ziegeleipark gebracht, durch die eine Naherholungsoase mitten in der Stadt enorm beschädigt und ein Hitzehotspot geschaffen wurde.

Auch in Hinblick auf den sorgsamen Umgang mit Geld in Zeiten von leeren Kassen ist der Bau der A26 unverantwortlich. Derzeit 70 Millionen Euro Kosten würden allein für die Stadt Linz anfallen, weit über einer Milliarde würde das Projekt insgesamt verschlingen. 

Sehr geehrter Herr Prammer, setzen Sie das um, was Ihr Vorvorgänger versprochen hat (siehe Beilage 4), ziehen Sie die Zusage der städtischen Beteiligung an diesem Projekt zurück und geben Sie Linz eine Chance auf Zukunftsfähigkeit!

Mit freundlichen Grüßen,

für die Initiative Verkehrswende jetzt!
Gerald Oberansmayr


Beilagen:

Beilage 1 - Der tatsächliche Verkehr ist meilenweit von den Prognosen der Asfinag entfernt
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Beilage 2 - Die versprochene Entlastung durch die A26 ist reine Fiktion.
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Beilage 3 - A26 torpediert Verkehrsrückgang auf der B127 (www.doris.at)
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Beilage 4:  Stadt Linz zahlt nicht mit! (OÖN, 3.1.1992)
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