Ein kräftiges Lebenszeichen des Widerstandes setzten 25 Organisationen bei der Demonstration "Zukunft statt Autobahnbau" am 17.4.2026 in Linz.

Kräftiges Lebenszeichen des Widerstandes gegen die A26-Autobahn

Ein kräftiges Lebenszeichen setzte der Widerstand gegen die A26-Autobahn: Rund 400 Menschen zogen gestern in einem langen Demonstrationszug, musikalisch begleitet vom Gegentonorchester, vom Volksgarten durch die Landstraße zum Linzer Hauptplatz, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Motto der Demonstration, zu der 25 Organisationen aus dem Verkehrswende-, Umwelt-, Klima- und Bürgerinitiativenbereich aufgerufen hatten: „ZUKUNFT STATT A26-AUTOBAHNBAU!“. 

In Aufruf, Reden und Transparenten wurde immer wieder betont: Die A26-Autobahn wird von der Politik mit dem Versprechen, Linz vom Autoverkehr zu entlasten, verkauft. DAS IST EINE LÜGE! Selbst die Zahlen der ASFINAG gehen von 30.000 zusätzlichen Autofahrten täglich infolge der Autobahn aus. 87% der Linzer Straßen werden dadurch – zum Teil erheblich - mehrbelastet. Der Autoverkehr in der Linzer Innenstadt steigt durchschnittlich um 32% an. Autobahnen mitten durch die Stadt zu bauen, ist in Zeiten der Finanz- und Klimakrise an Absurdität nicht zu überbieten.

A26 Linz 03Zumindest 1,2 Milliarden Euro sollen für die Autobahn ausgegeben werden. Mehr als das Fünffache wie zu Beginn geplant. Ein Fass ohne Boden. Dieses Geld fehlt uns für eine zukunftsfähige Verkehrswende, insbesondere beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs: Der Ausbau der Mühlkreisbahn, die rasche Durchbindung zum Hauptbahnhof durch Stadtbahn bzw. Hafenbahn kann den Pendler:innenverkehr auf die Bahn verlagern und zehntausende Arbeitsplätze im Linzer Industriegebiet umweltfreundlich erschließen. Auch der Radverkehr führt in Linz immer noch ein Schattendasein: mit 10 Prozent Anteil am Gesamtverkehr hat Linz nur halb so viel wie Graz oder Salzburg. Da gibt es noch viel Potenzial, das durch ambitionierte Maßnahmen erschlossen werden könnte.

Besonders empörend fanden die Teilnehmer:innen, dass die politisch Verantwortlichen in Linz schon zum zweiten Mal eine Volksbefragung über die Zuzahlungen der Stadt Linz für diese Autobahn (mindestens 60 Millionen Euro!) verhindert, obwohl ausreichend Unterschriften dafür gesammelt wurden. Mit winkeladvokatischen Argumenten wurde erneut der Wille von über 7.000 Linzerinnen und Linzern auf Mitbestimmung überfahren. Warum haben die politische Verantwortlichen so viel Angst vor der Meinung der eigenen Bürgerinnen und Bürgern? 

Die Demonstration hat gezeigt: Der Widerstand gegen dieses völlig aus der Zeit gefallene Steinzeitprojekt ist nicht unterzukriegen. Unser Engagement für zukunftsfähige Alternativen ist lebendig und wächst. In diesem Sinne war die Ansage von Witha Hölzl, Moderatorin der Demonstration, auch ein Versprechen für die Zukunft: „Es geht um gemeinsamen Widerstand für eine Sache, die die nächsten Generationen und unser aller Zukunft massiv beeinflusst. Setzen wir ein gemeinsames Zeichen und werden wir laut!“

Foto Demo gegen A26 4


Zitate aus den Reden:

Christian Leckschmidt, Initiative Verkehrswende jetzt!: „Bei Bewilligung des Westring wurde eine Verkehrszunahme erwartet, die so nie eingetreten ist, deshalb ist auch der Hauptgrund für die A26 weggefallen. Dieser milliardenteure Autobahnwurmfortsatz wäre also sauteurer Unsinn, der die Stadt zerstört und zusätzlich 30.000 zusätzliche Autofahrten täglich nach Linz hereinholt.“

Florian Kaltseis, Teachers for Future: „Wenn wir 1,2 Mrd. in den öffentlichen Verkehr stecken, dann profitieren alle von weniger Stau, Lärm und sauberer Luft. Mit dem gleichen Geld das Gegenteil zu bewirken, ist inkompetent. Eine Schülerin von mir bringt es mit folgender Frage auf den Punkt: ‚Entwirft man Städte noch für Menschen oder nur für den Verkehr?‘“

Eveline Steinbacher, Solidarwerkstatt Österreich: „Statt der A26-Autobahn braucht es eine rasche Durchbindung der Mühlkreisbahn zum Linzer Hauptbahnhof. Das kann sofort und billig über eine Reaktivierung der Hafenbahn realisiert werden. Zehntausende Arbeitsplätze im Linzer Industriegebiet können dann umweltfreundlich mit der Bahn erreicht werden.“

Lenard Zipko, Bürgerinitiative Ja zum Grüngürtel: „Die Volksbefragung ist wiederholt abgeschmettert worden. Uns würde nun brennend interessieren, wie ein Fragestellung der Stadtregierung zum Thema Grüngürtel ausschauen würde, welche die maßlos strengen Ansprüche der Rechtsprechung erfüllt.“

Matilda Tauber, Fridays for Future Linz: "Das Grünland, das gerade wieder verbaut wird, könnte unser Rettungsboot sein!"

Dieter Wallentin, Da Huat brennt: „Wer Ackerböden versiegelt, wer Wälder rodet und wer Schutzgebiete für den Transitverkehr öffnet-der verkauft nicht nur Flächen. Der verkauft auch unsere Zukunft!“

Gabriele Müller, Initiative Verkehrswende jetzt!: "Wie so oft in Österreich haben auch beim Westring die jeweiligen ‚Landeskaiser‘ die Muskeln spielen lassen, um ihr Prestigeprojekt durchzudrücken."

Peter Baalmann, Fahrgast OÖ: „Die ‚Taubentheorie‘ von Prof. Heiner Monheim vergleicht die Wirkung der Attraktivierung von bestimmten Verkehrsträgern mit der Reaktion von Tauben: Wenn man Tauben füttert, kommen immer mehr zur Futterstelle; wenn man den Autoverkehr mit immer mehr Straßen ‚füttert‘, kommen immer mehr Autos; mit attraktiveren Öffis ‚füttert‘, man dagegen immer mehr Fahrgäste an. In Zeiten von Klimakatastrophe und permanenter Überlastung der Straßen kann nur das zweite die richtige Lösung sein.“

Mirko Javurek, Scientists for Future OÖ: „Wir steuern gerade auf eine Erderwärmung von 3 bis 4 Grad bis 2100 zu. Damit verlieren zwei Drittel der Menschen ihren Lebensraum! Angesichts dieser Entwicklung ist es völlig absurd, jetzt noch Autobahnprojekte wie die A26 anzugehen."