Neue Mühlkreisbahn: Statt Jahrhundertprojekt droht die Streckenverkürzung. 


Das derzeitig geplante Regional-Stadtbahn-Linz-Projekt soll den Zentralraum modernisieren, droht aber paradoxerweise das obere Mühlviertel verkehrstechnisch abzuhängen. Während die Strecke bis Kleinzell elektrifiziert werden soll, ist es nicht klar, wie mit dem oberen Teil der Strecke umgegangen wird. Ein Szenario ist, dass im oberen Teil der Strecke der Betrieb sofort eingestellt wird. Und durch Busse ersetzt wird.

Aber konsequenter Ausbau und Erhalt von regionalen Bahnstrecken sind entscheidende Weichenstellungen für die zukunftsfähige Entwicklung des ländlichen Wirtschaftsraums.

Kurzfristige, betriebswirtschaftliche Beurteilung greift zu kurz

Eine Schieneninfrastruktur ist rasch demontiert, aber einmal abgetragene Schieneninfrastruktur  ist für künftige Generationen kaum wiederherzustellen – ein verkehrspolitischer Fehler, der de facto irreversibel ist. Lokalbahnen dürfen deshalb nicht ausschließlich nach ihrer kurzfristigen, betriebswirtschaftlichen Rentabilität beurteilt werden. Ähnlich wie bei Aktien und Wertpapieren, deren Kurse zwischenzeitlich Schwankungen unterliegen oder geringer ausfallen können, greift der reine Blick auf den Status quo zu kurz; vielmehr muss bei einer solchen Infrastruktur der weitaus längere Zeitraum der strategischen Wertanlage betrachtet werden. Sie sind das essenzielle Rückgrat der verkehrstechnischen Daseinsvorsorge und rechtfertigen als solches gezielte Subventionen für den ländlichen Raum.

Eine intakte Bahnanbindung ordnet die Raumstruktur, verhindert die zunehmende Zersiedelung der Landschaft und stärkt die lokale Wirtschaft abseits der großen Zentren. Besonders für junge Menschen ohne eigenes Auto oder mit geringerem Einkommen ist sie die Nabelschnur zu Ausbildung und Kultur; ihr Wegfall würde die ohnehin drohende Abwanderung (Brain-Drain) in urbane Ballungsräume massiv befeuern.

Unschätzbarer Standortvorteil

Zudem besitzen Schienenverkehrsmittel eine empirisch weitaus höhere Attraktivität und Fahrgastakzeptanz als Busse. Eine bequeme, umsteigefreie Zugverbindung direkt vom Linzer Hauptbahnhof bis tief in das obere Mühlviertel stellt einen unschätzbaren Standortvorteil dar – nicht nur für Pendler, sondern auch für den nachhaltigen Tourismus rund um Wanderer und Radfahrer. Vor dem Hintergrund drängender Klimaziele und der notwendigen Reduktion unserer Abhängigkeit von fossilem Öl, PKW und LKW – was mittel- bis langfristig auch die Reaktivierung des regionalen Güterverkehrs betrifft – müssen Investitionen zwingend auch in regionale Nebenbahnen fließen, nicht nur in den hochrangigen Fernverkehr.

Ein zweites mögliches Szenario, das die Politik in Erwägung ziehen wird, ist, die Strecke ab Kleinzell mit den alten Dieselzügen weiterfahren zu lassen. Dadurch entsteht für die landschaftlich idyllische Strecke durch das Mühltal bis Aigen-Schlägl ein harter Systembruch. Der Nordteil wird ein Inselbetrieb, da die alten Dieselzüge rechtlich und technisch nicht zur Linzer Stadtbahninfrastruktur passen und in Kleinzell enden müssen, und es wird in Folge rasch mangelnde Wirtschaftlichkeit ins Feld geführt werden und die Bahn wird eingestellt werden.

Ganze Region verkehrstechnisch abgeschnitten

Eine Einstellung des Nordastes bedeutet für Fahrgäste einen zwingenden Umstieg auf Busse. Da die Mitnahme von Fahrrädern und E-Scootern dort meist unmöglich ist, wird eine ganze Region verkehrstechnisch abgeschnitten. Ein Festhalten am Inselbetrieb bleibt jedoch eine Kostenfalle : Isolierte Dieselzüge müssten für schwere Wartungsarbeiten zerlegt und per LKW-Schwertransport über die B127 nach Linz gebracht werden. Das treibt die Strecke unweigerlich in die Stilllegung , was den Verkehrskollaps der Bundesstraße zur Folge hätte. Die Lösung liegt im Einsatz moderner Batteriezüge (BEMU). Aktuell ist für die neue Flotte jedoch nur die elektrische Standardvariante der TramTrains ohne Batteriepaket vorgesehen.

Garantie für den Erhalt - Bestellung von Batteriezügen!

Wir fordern von der Politik eine Garantie für den Erhalt des Nordteils und verlangen vehement die Bestellung dieser Batteriezüge, die auf der ganzen Strecke der MKB fahren können. Die bestellten Stadler Citylink-Fahrzeuge könnten ab Werk mit den Batterien ausgestattet werden. Sie laden unter der Oberleitung dynamisch auf und könnten ab Kleinzell nahtlos und emissionsfrei weiterfahren. Der fatale Umsteigezwang entfällt, und teure LKW-Transporte werden obsolet, da die Züge selbstständig zur Wartung fahren. Batterieelektrische Züge würden nicht nur den Erhalt des nördlichen Streckenteils sicherstellen, sondern auch eine zukünftige Verlängerung bis Ulrichsberg, Klaffer oder gar nach Deutschland nicht ausschließen.