Die Initiative Verkehrswende jetzt! spricht davon, dass sich hinter den Zahlen der ASFINAG, mit denen die A26-Autobahn in Linz begründet wurde, eine große Lüge versteckt.
Wir fassen zusammen, was wir als „Entlastungslüge“ bezeichnen.
- 2012 prognostiziert die ASFINAG im Zuge der Umweltverträglichkeitserklärung für 2030 für den Fall, dass die A26 gebaut wird (Betriebsphase 2030) eine Zunahme des Autoverkehrs in der Linzer Innenstadt um 32 %. Diese Zahl ergibt sich als Mittel aus über 110 Straßenzüge in der Innenstadt. Das ist realistisch, weil die Kapazitäten der in die Innenstadt führenden Straßen enorm erweitert werden. Es bestätigt eine alte Erkenntnis der Verkehrswissenschaften: Wer Straßen sät, erntet Autoverkehr. Das Problem: Wie soll man der Linzer Bevölkerung eine Autobahn verkaufen, die enormen Verkehrszuwachs bringt? Das geht nicht.
- Die Lösung: Man entwickelt ein zweites Szenario (=Nullplanfall 2030) für den Fall, dass die A26 nicht gebaut wird. In diesem Fall prognostiziert man einen Zuwachs um 44%, und schon hat man die Erzählung, die man jahrelang in die Köpfe reintrommelt: Die A26 bringt eine Verkehrsentlastung von 12% (44% minus 32%). Das erinnert an den Verkaufsschmäh von Supermärkten: Eine Preissteigerung von 32% wird als Preissenkung von 12% verkauft, weil man den Preis zuvor um 44% angehoben hat.
Der „Nullfallplan 2030“ ist rein fiktiv und baut von vorherein auf einer Unmöglichkeit auf: Das nämlich der Verkehr beispielsweise auf der Nibelungenbrücke, die ein Nadelöhr darstellt, der Autoverkehr beliebig gesteigert werden kann. Das geht natürlich nicht. Aber fiktiv kann man diese Zahlen beliebig hochrechnen: Von 45.000 (wo in etwa die Kapazitätsgrenze erreicht ist) auf über 62.000. - Wir haben bald 2030 und können feststellen, dass die Zahlen, mit der die A26 verkauft wurde, nicht eingetreten sind. Einen Anhaltspunkt dafür liefert die Verkehrszählung auf der B127 östliche von Puchenau (www.doris.at), die den Verkehrsstrom aus und ins obere Mühlviertel gut abbildet. Auf der B127 ist der Verkehr seit 2013 nicht – wie prognostiziert – exorbitant gewachsen, sondern im Gegenteil sogar zurückgegangen. Um rd. minus 15%. Der „Nullfallplan 2030“, der nie eintreten konnte, ist auch in der Realität völlig widerlegt.
- Mit der Eröffnung der Donautalbrücke im November 2024 hat sich dafür jene Prognose der „Betriebsphase 2030“ erhärtet. Schon die Schaffung dieser zusätzlichen Querungsmöglichkeit über die Donau hat den Verkehr bei der Zählstelle Puchenau um ca. 15% ansteigen lassen; der Erfolg der Verkehrsabnahme im letzten Jahrzehnt wurde also wieder zunichte gemacht. Im Vergleich zum Bau der A26-Tunnelautobahn ist die Donautalbrücke aber nur ein laues Lüfterl. Es muss mit einer massiven Verkehrszunahme gerechnet werden; die plus 32%, die die ASFINAG bei der Innenstadt berechnet hat, sind also ein durchaus realistisches Szenario!
Die Politiker wollten die A26-Autobahn mit einer Lüge schmackhaft machen. Das betrifft in erster Linie jene Politiker von Stadt Linz und Land Oberösterreich, die vor mehr als zwei Jahrzehnten diese Entscheidung pro A26 erzwangen. Sie hielten eisern an der Erzählung von der „Entlastung“ durch die A26 fest. Nur einmal rutscht (ausgerechnet!) Klaus Luger, damals noch Verkehrsstadtrat, die Wahrheit raus (sh. Heute, 25.6.2012).
Lange Zeit blieb diese Lüge unentdeckt. Erst eine penible Auswertung durch die Initiative Verkehrswende jetzt! aller Zahlen und Daten, die die ASFINAG für die Umweltverträglichkeitserklärung erstellte, hat diese Lüge ans Tageslicht gebracht. Und jetzt, wo der Zeitraum der Prognose (2030) fast erreicht ist, zeigt sich immer mehr das volle Ausmaß der „Fehlprognosen“ der ASFINAG. Vielleicht sind sogar die heutigen Politiker, die dieses Projekt von ihren Vorgängern geerbt haben, selbst davon überrascht.
Die Baugenehmigung beruht auf diesen halluzinierenden Zahlen. Weil diese Zahlen nicht stimmen, fällt die Grundlage der Genehmigung weg. Die Initiative Verkehrswende jetzt! ruft Bürgermeister Prammer, Verkehrsstadtrat Hajat, Landeshauptmann Stelzer, Verkehrslandesrat Steinkellner, Verkehrsminister Hanke zur Umkehr auf. Noch ist es nicht zu spät. Noch kann diese Autobahn gestoppt werden. Es ist keine Schande, einen Fehler einzugestehen und diesen zu korrigieren.
Den Menschen aber wissentlich ein Projekt, das sehr viel mehr Autoverkehr erzeugt, als Entlastung zu verkaufen, ist unentschuldbar. Das ist nicht irgendeine Lüge, das ist eine Milliardenlüge! Denn eine Milliarde (oder sehr viel mehr) kostet uns diese Autobahn, die die Verkehrspolitik auf Jahrzehnte in die falsche Richtung einzementiert. Die Initiative Verkehrswende jetzt! fordert die oben Genannte auf, entweder nachzuweisen, dass ein Fehler hinsichtlich der Auswertung und Bewertung der ASFINAG-Zahlen gemacht wurde, oder aber sofort die Konsequenzen zu ziehen, und den Bau der A26 zu stoppen.
Sollten sie Beides unterlassen, wird die Initiative Verkehrswende jetzt! nicht müde werden, ihnen das absprechen, was die Politik gemeinhin als ihr wichtigstes Kapital sieht: die Glaubwürdigkeit. Dann sind sie LÜGNER, die nicht länger tragbar sind.