Boden ist der artenreichste Lebensraum der Erde und für uns überlebenswichtig. Dieser wird durch eine Vielzahl von Giftstoffen wie Pestiziden und auch PFAS, sogenannten Ewigkeitschemikalien kontaminiert. PFAS werden nicht ohne Grund Ewigkeitschemikalien genannt. Einmal freigesetzt, bauen sie sich in der Umwelt kaum mehr ab. Da sie in unzähligen Industrieprodukten stecken, reichern sie sich im Gegenteil immer mehr an – über die Nahrungskette auch im menschlichen und tierischen Organismus, mit unabsehbaren Folgen.

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Das sind industriell hergestellte organische Verbindungen, bei denen Wasserstoff- durch Fluoratome ersetzt werden. PFAS sind wasser- und schmutzabweisend, säureresistent, druck- und hitzebeständig und deshalb in der Industrie im zivilen wie militärischen Sektor sehr beliebt. Aber sie können auch krank machen und sie bleiben auf ewig in der Umwelt. Mehr als 10.000 feste, flüssige und gasförmige Chemikalien gehören zu den PFAS.

Der Markt für PFAS wurde im Jahr 2023 auf 28 Milliarden US-Dollar geschätzt und der Großteil davon wird von zwölf Unternehmen hergestellt: 3M, AGC Inc., Archroma, Arkema, BASF, Bayer, Chemours, Daikin, Honeywell, Merck Group, Shandong Dongyue Chemical und Solvay.

Von der Industrie ohne Warnung angepriesen, von Behörden zugelassen, schädigen diese Pestizide langfristig Böden und das Grundwasser. Seit den 1960er Jahren wissen PFAS-Hersteller von Krankheitsrisiken wie Krebs, wenn bestimmte PFAS in den menschlichen Körper gelangen. Trotzdem erklärten sie ihre Produktionsstätten und Produkte für unbedenklich. In den vergangenen 20 Jahren wiesen Forschende aber weltweit das Gegenteil nach, gefährliche Rückstände, die sich in Wasser (Seen, Flüsse, Meere), Böden, Pflanzen und Tieren ansammeln. PFAS finden sich selbst in Tieren der Polarregionen, in Vögeln - und im Blut praktisch jedes Menschen. Z.B. im bayerischen Altötting: Dort steht ein Werk von 3M, das mit PFAS arbeitet. EinwohnerInnen dürfen kein Blut spenden, weil es toxisch ist. Sie haben zu viel PFAS im Blut. Diese gelangten in den Boden der Umgebung und so ins Grundwasser. Ein weiteres Beispiel für Fahrlässigkeit ist die Firma Dupont in den USA. Diese pumpte jahrzehntelang in Virginia hochgiftige Chemikalien, die bei der Herstellung von Teflon entstehen, in die Luft und ins Wasser. Viele Menschen und Tiere erkrankten oder starben sogar daran. 

Wo sind PFAS drin

PFAS finden sich in erschreckend vielen Produkten, in Backpapier, Lebensmitteln, konventionell angebautem Obst, Gemüse, Getreide, Soja und Wein, Teflonpfannen, Outdoorjacken, Zahnseide, Einwegbechern, Lebensmittelverpackungen, der Halbleiterproduktion, Handys, Imprägniersprays, Autoreifen, Öl-Pipelines, in der Arzneimittelproduktion u.v.m. PFAS belasten die Umwelt u.a. durch Produktionsrückstände, beim Benutzen und Entsorgen der Produkte im Hausmüll, durch das Ausbringen von Klärschlamm auf Feldern der agrarindustriellen Landwirtschaft, durch Löschschaum, den Feuerwehren bei Bränden und Übungen in großen Mengen einsetzen und der im Boden versickert oder ins Abwasser gelangt. Auch in den meisten Wärmepumpen zirkuliert PFAS Gas, genau wie in fast allen Klimaanlagen und vielen Kühlgeräten. Auch im Militärbereich finden sich PFAS, in Flugzeugen, Munition, Raketensystemen, Schutzkleidung, Energie- und Batteriespeichern, Elektronik, Dichtungsmitteln, Imprägniermitteln u.v.m. 

Gesundheitsschäden

Gelangen PFAS über Luft, Nahrung, Flüssigkeit in den menschlichen Organismus, können mögliche gesundheitliche Langzeitauswirkungen wie erhöhte Cholesterinwerte, entwicklungstoxische Effekte beim ungeborenen Kind sowie die Entwicklung von Nieren- und Hodenkrebs bei Erwachsenen auftreten, die Immunabwehr, vorwiegend bei Kindern, schwächen und den Impfschutz herabsetzen, wodurch Krankheiten wie Röteln, Tetanus und Diphtherie häufiger werden.

Besorgniserregend

In einer neuen Studie von Global 2000 wurden alle bis dato verfügbaren amtlichen Untersuchungsergebnisse aus den Jahren 2018 bis 2020 zu TFA (ein PFAS) in Österreich vereint. Dabei wird deutlich, dass österreichweit eine flächendeckende Kontamination des Grundwassers, mit vereinzelt hohen bis sehr hohen Spitzenwerten, vorliegt. Für Pestizidabbauprodukte wie TFA gilt seit den 1990er Jahren ein EU-weit einheitlicher Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter (ng/l) im Grund- und Trinkwasser. Im Falle von TFA wird dieser Grenzwert aber aufgrund jahrzehntelanger Versäumnisse beim Trinkwasserschutz bereits flächendeckend überschritten. An den 138 amtlichen österreichischen Grundwassermessstellen lag die durchschnittliche TFA-Belastung, je nach Region variierend, bei 960 ng/l – rund zehnmal höher als dieser Grenzwert. Besonders in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen wie der Steiermark, dem Burgenland, Oberösterreich und Niederösterreich fanden sich hohe bis sehr hohe Belastungen im Grundwasser. Der Spitzenwert von 30.000 ng/l im niederösterreichischen Tullnerfeld entspricht einer 300-fachen Überschreitung des Grenzwerts für Pestizidabbauprodukte mit fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften.

Pestizide/PFAS/TFA

Seit Dezember 2024 verschleppen die Mitgliedstaaten der EU nun das dringend notwendige Verbot des PFAS-Pestizids Flutolanil, das zu TFA (Trifluoressigsäure) abgebaut wird. Diese fortpflanzungsgefährdende Ewigkeitschemikalie kontaminiert europaweit Trinkwasserressourcen und pflanzliche Lebensmittel. Im März 2025 haben Polen und Tschechien im EU-Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel das Flutolanil-Verbot offen abgelehnt. Weitere zwölf Mitgliedstaaten, darunter auch Österreich, äußerten sich lediglich vage – ein klares Bekenntnis zum Schutz der Umwelt und öffentlichen Gesundheit blieb aus.

Wie sich schützen?

PFAS-haltige Produkte vermeiden. Ökologisch ernähren. Holen Sie sich so wenig „Reinigungschemie“ ins Haus wie möglich und bewahren Sie diese absolut kindersicher auf. Wollkleidung im Outdoorbereich. An Nord- und Ostsee am Strand Kontakt mit Meerschaum vermeiden, dieser hat extrem hohe Werte giftiger PFAS-Chemikalien. Weitere Tipps gibt‘s u.a. hier: https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/stoffradar/pfas

PFAS-Belastung reduzieren

Nachträgliche Reinigung des Wassers (z.B. mit Aktivkohle) und des Bodens von PFAS-Belastungen sind teuer und aufwendig. Wichtig sind daher Vorsorge und eine gesetzliche Regelung, die diese erst gar nicht entstehen lassen. Wenn es lokal zu Kontaminationen des Grundwassers kommt, aus dem sich Trinkwasser speist, braucht es effiziente Verfahren, um alle Verunreinigungen herauszufiltern, bevor das Leitungswasser zu den Haushalten und Betrieben kommt. Weltweit arbeiten Wissenschaftler an unterschiedlichen Ansätzen zur Reinigung von PFAS-belastetem Wasser - mit sehr unterschiedlichen Filtern. 

Ausstieg

PFAS zu ersetzen scheint eine Mammutaufgabe, da sie so verbreitet sind. Es kostet Zeit und Geld. Aber es gibt zum Teil schon Alternativen und Forschung daran ist gefragt. Man sagt: Erfindungen passieren oft erst dann, wenn es ein Problem gibt, das gelöst werden muss. Das Fraunhofer IFAM arbeitet z.B. bereits seit vielen Jahren an der Entwicklung von fluorfreien Beschichtungen und bietet nachhaltige Lösungen für Anti-Haft-, Gleit- und hydrophobe Beschichtungen an und auch in Innsbruck wird an Alternativen geforscht. In Anbetracht der Altlasten und der Sanierungskosten, die die PFAS-Chemie hinterlässt, dürfte sich der Ausstieg langfristig rechnen. Im Bereich der Feuerlöschschäume wurden bereits alternativen zu PFAS-Schäumen entwickelt.

Die Zeiten für Umweltschutz werden nicht leichter. Und obwohl es immer wichtiger wird, sich für die Umwelt stark zu machen, formieren sich starke Wirtschaftslobbys gegen das geplante PFAS-Verbot auf EU-Ebene, auf Kosten von Natur, Klima und der Menschen. Wir haben erlebt, dass auf angekündigte Verbote in Richtlinien und Verordnungen der EU kein Verlass ist, dass diese auch umgesetzt werden, wenn die Lobbyisten der Industrie diese nicht wollen. Verzögern, Hinausschieben, Aufweichen ist ihre Taktik, wie das Beispiel Glyphosatverbot zeigt. Periode um Periode wird die Zulassung dieses hochgiftigen, krebserregenden Pestizids verlängert.

Verbot fordern – wir brauchen eine Chemiewende!

Viele Forschende fordern ein Umdenken. Martin Scheringer, Umweltchemiker an der ETH Zürich, sagt: „Wir brauchen eine Chemiewende, also eine andere Art, wie wir chemische Produkte sehen, wofür wir sie einsetzen, in welchen Mengen wir sie einsetzen.“ [...] PFAS sind giftig, ... wir haben ein Problem, ein Problem, das bleibt, ... ein PFAS-Verbot ist überfällig [...] Unser modernes und zukünftiges Leben hängt nicht von PFAS ab ... es ist eine uralte Chemie ...  es gibt bereits Alternativen“. Deutschland und vier andere EU-Staaten haben dazu Anfang 2023 bei der EU-Chemikalienbehörde ECHA einen Vorschlag eingebracht: Die Herstellung, Verwendung und das Inverkehrbringen soll für alle PFAS beschränkt werden. Das würde das aktuelle Verfahren umdrehen, nach dem nur „besonders besorgniserregende“ Chemikalien eine Zulassung brauchen.

Tag für Tag werden Ewigkeitschemikalien freigesetzt und sie reichern sich weiter in Mensch, Tier und Umwelt an. Es braucht daher ein rasches Verbot von PFAS-Pestiziden für den Erhalt unserer Gesundheit, die Unterstützung konventionell wirtschaftender Höfe beim Umstieg auf eine zukunftsfähige, PFAS-freie Produktion sowie die Förderung der Forschung, um Alternativen zu PFAS zu entwickeln. Die Erfahrung lehrt uns: Wir dürfen uns nicht auf ein mögliches Nein auf EU-Ebene verlassen. „Wir brauchen eine Chemiewende“, wie sie Prof. Dr. Martin Scheringer von der ETH Zürich fordert. Nein zu weiteren PFAS im Boden, in der Luft, im Wasser und in den Körpern von Menschen und Tieren. Warten wir nicht länger, handeln wir jetzt.

Die Österreichische Bundesregierung ist gefordert, weiter Trinkwasser und Böden etc. auf PFAS zu kontrollieren, zu dekontaminieren und einen Ausstieg aus diesen Ewigkeitschemikalien zu forcieren und dem Beispiel Australiens zu folgen und nicht auf Entscheidungen der EU zu warten, die möglicherweise lange dauern bzw. von Interessen der Chemielobby geprägt sind. In Australien ist seit 1. Juli 2025 die Einfuhr, Herstellung und Verwendung bestimmter PFAS-Chemikalien, darunter PFOS, PFOA und PFHxS, verboten, um langfristige Umwelt- und Gesundheitsrisiken dieser persistenten Chemikalien zu reduzieren. Beginnen auch wir mit einer Chemiewende.

Eveline Steinbacher

(Werkstatt-Blatt 2/2025/Juli)


Weiterführende Links

Videos:

https://www.youtube.com/watch?v=qatBi2ezfTo
PFAS – Gift für die Ewigkeit | Wie abhängig sind wir? | Gefährlich und praktisch | ARD Wissen | BR

https://www.youtube.com/watch?v=0HdQpitiE5s
Ewigkeitschemikalien PFAS – Steigende Belastung, wachsende Gefahr? | Puls | SRF Wissen

 

Jahrhundertgift PFAS: Wie die Chemie-Lobby Verbote verhindert

 
PFAS im Wein
 
Vergiftet - Die Macht der Chemielobby
 

Ewigkeitschemikalien PFAS – Steigende Belastung, wachsende Gefahr?

Weitere Quellen:

https://www.global2000.at/publikationen/mineralwasser-test

https://www.diepresse.com/19835747/leitungswasser-reinigen-auf-umstaendliche-aktivkohle-verzichten

https://unsertrinkwasser.at/was-sind-pfas/#:~:text=In%20Österreich%20gibt%20es%20zwei,Brunnen%20vorsorglich%20vom%20Netz%20genommen.