Hinter den glanzvollen PR-Meldungen zum Betriebsbaugebiet Kronstorf stehen massive Eingriffe in die regionale Infrastruktur und Umwelt. Wenn man die Daten von Google (Alphabet), dm drogerie markt und der APG zusammenführt, ergibt sich folgendes Gesamtbild für das Jahr 2026:

 

1. Bodenversiegelung & Natur
(Der „Beton-Check“)

Insgesamt werden etwa 65 Hektar (650.000 m²) fruchtbares Ackerland beansprucht.

Google: Besitzt 50 Hektar. In der ersten Phase werden ca. 4,2 Hektar versiegelt, langfristig ist jedoch eine Bebauung des Großteils der Fläche möglich.

dm: Beansprucht rund 8,4 Hektar, wovon ca. 5,85 Hektar komplett versiegelt werden (Hallen, Parkplätze, Verkehrsflächen).

Kompensation: Als „Pflaster“ dienen 5 Hektar Ersatzaufforstung und Gründächer. Kritiker bezeichnen dies als „Etikettenschwindel“, da die natürliche Bodenfunktion unwiederbringlich verloren geht.

2. Energie & Hitze
(Der „Gigawatt-Hunger“)

Stromverbrauch: Google allein benötigt im Endausbau bis zu 1 Gigawatt Strom – das entspricht theoretisch 12 % des gesamten österreichischen Verbrauchs.

• Wärmebelastung: Fast die gesamte Energie wird in Wärme umgewandelt. Da es derzeit keine Fernwärmeleitungen gibt, muss die Hitze über die Enns (Kühlung) oder Kühltürme (Luft) abgeführt werden.

Wasser: Google entnimmt der Enns täglich ca. 17,5 Millionen Liter. Das Wasser wird erwärmt zurückgeleitet, was die Wassertemperatur je nach Pegel um 2 °C bis 4 °C erhöhen kann.

3. Verkehr: Die Gefahr für das Steyrtal

Die Verkehrsbelastung ist das größte Risiko für die Lebensqualität der Anwohner.

LKW-Frequenzen: DM hat für das Genehmigungsverfahren ein Maximalszenario von 552 LKW-Fahrten pro Tag eingereicht.

Transit-Falle: Da DM von hier aus Slowenien und Italien beliefert, ist der Druck auf die Route nach Süden enorm.

Schleichweg-Risiko: Navigationssysteme könnten LKW massiv durch das Steyrtal (B140) leiten, um Autobahngebühren zu sparen oder den Knoten Linz zu umgehen. Dies erhöht den politischen Druck, die umstrittene Ostspange Steyr als „Lösung“ durchzusetzen, was wiederum neuen Transitverkehr anzieht.

4. Arbeitsplätze (Anspruch vs. Realität)

dm: Schafft 300 Arbeitsplätze, davon werden 100 Arbeitsplätze durch die Auflösung von Mietlagern im nahen Enns lediglich regional verschoben werden.

Google: Schafft auf der riesigen Fläche nur ca. 50 direkte Jobs. Das Verhältnis von versiegeltem Boden zu geschaffenen Arbeitsplätzen ist hier extrem schlecht.

5. APG (Austrian Power Grid) 

fungiert hierbei als „Ermöglicher“: Sie investiert hunderte Millionen Euro in Umspannwerke und Leitungen, primär um diesen enormen Energiehunger und die industrielle Transformation (z.B. Green Steel der voestalpine) technisch überhaupt bewältigen zu können inklusive keiner Arbeitsplätze.

Gratulation zum „Deal des Jahrhunderts“ Herr Bürgermeister Kolerik!

Dass Sie für läppische 250 Arbeitsplätze – von denen die Hälfte vermutlich nur einen Betriebsausflug von Enns nach Kronstorf macht – mal eben 65 Hektar Ackerland opfern, zeugt von echtem Unternehmergeist. Wer braucht schon Brot vom Feld, wenn er Gewerbesteuer fressen kann?

Es ist rührend, wie Sie die Enns zur privaten Thermalquelle für Google umfunktionieren. Dass die Fische dort künftig bei kuscheligen Temperaturen gegart werden, ist doch ein fairer Preis für die Gewissheit, dass eine US-KI jetzt noch schneller weiß, was wir morgen kaufen wollen. Dass die Abwärme mangels Leitungen einfach verpufft? Geschenkt! Wir heizen im Winter ja eh lieber mit heißer Luft aus dem Gemeinderat.

Und ein herzliches „Vergelt’s Gott“ für die tägliche LKW-Lawine Richtung Slowenien. Das Steyrtal hat ohnehin viel zu viel Ruhe und saubere Luft vertragen. Da kommt die Ostspange gerade recht – als goldener Teppich für den Transitverkehr, den wir uns mit so viel Weitsicht selbst eingebrockt haben.

Kurz gesagt: Boden weg, Wasser warm, Tal verstopft – aber Hauptsache, die Statistik glänzt. Eine wirklich nachhaltige Ruine, die Sie uns da bauen!

Harald Müllner