Das Rechenzentrum von google, das derzeit in Kronstorf errichtet wird, verschlingt mehr Strom als 900.000 Haushalte, deutlich mehr als alle Haushalte in Oberösterreich zusammen. Energieverbrauch, Umwelt- und Klimaschutz, Klärung der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, demokratische Kontrolle? Zeit, fragen zu stellen und aufzustehen!


Kronstorf ist eine 3.500-Seelen-Gemeinde im Bezirk Linz-Land. Dort baut Google gerade sein erstes österreichisches Rechenzentrum. Es soll eines der leistungsstärksten Datencenter in Europa und ein Knoten für den gesamten mittel- und osteuropäischen Raum werden.

Umweltpolitische Folgen

Diese gewaltige Rechenzentrum entsteht auf 50 Hektar ehemaligem Ackerland. Zur Kühlung entnimmt Google ca. 17,5 Millionen Liter aus dem Grundwasser entnimmt und es erwärmt in die Enns zurückleitet, was die Wassertemperatur je nach Pegel um 2° C bis 4° C erhöhen kann. Täglich sollen fast 200 Megawattstunden Abwärme ungenutzt in die Enns fließen.

Bis zu zwölf Prozent des österreichischen Stromverbrauchs!

Doch nicht nur Boden- und Wasserverbrauch sind ein Problem, das Google-Rechenzentrum ist vor allem eine gewaltige Stromkrake. Das Rechenzentrum von Google in Kronstorf benötigt im Endausbau bis zu ein Gigawatt Strom (Leistung). Das heißt: Bei voller Kapazität würde das Datencenter in einem Jahr fast neun TWh (Terawattstunden) Strom verbrauchen. Das entspricht bei Vollauslastung rund 12 Prozent des gesamten österreichischen Stromverbrauchs.. Zum Vergleich: Der gesamte durch Windenergie erzeugte Strom beträgt rd. acht bis neun TWh (2024); der gesamte durch Sonnenenergie gewonnene Strom fünf bis sechs TWH. Das Google-Datencenter- ein einziges Werk - würde also die gesamte Windenergie bzw. das Doppelte der Solarenergie Österreichs benötigen.  Selbst die Austrian Power Grid rechnet damit, dass das google-Rechenzentrum jährlich soviel Strom verschlingt wie 900.000 Haushalte, mehr als alle Haushalte in Oberösterreich zusammen.  

Hoher Strompreise für alle, Gefährdung der Klimaziele

Der – in Oberösterreich ohnehin schleppende Ausbau – der erneuerbaren Energie kann mit diesem Energiehunger nicht annähernd Schritt halten. Das führt zu Strompreiserhöhungen für alle bzw. einer verstärkten Förderung von fossiler Energie und Atomkraft, die die Erreichung der Klimaziele gefährdet. Durchschnittlich muss Österreich in den Wintermonaten schon jetzt zehn bis 25% des Stroms importieren. Es muss mit einem enormen zusätzlichen Bedarf gerechnet werden. Der Bau des Umspannwerks der Austria Power Grid (APG) in Kronstorf soll für die Bereitstellung dieser Stromimporte, v.a. aus Tschechien, Deutschland und der Slowakei dienen, die– vor allem im Winter – zu einem Großteil aus Atom- und Fossilenergien stammen.

Trotz dieser großen Auswirkungen auf Umwelt und Klima war für die Genehmigung des Werks in Kronstorf nicht einmal eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Ein zahnloses UVP-Gesetz, laue Behörden und vife Projektbeantragung durch den Konzern, die geschickt UVP-Schwellenwerte umgeht, haben das ermöglicht.

Wofür?

Der Bedarf für diese riesigen Rechnerleistungen speist sich vor allem aus dem Cloud-Computing (Outsourcing für Unternehmenssoftware und Speicherkapazitäten), dem sprunghaften Wachstum der Künstlichen Intelligenz (Training und Nutzung), den Datenanalysen und der Überwachung (Big Data), Streaming-Diensten (Filme, Video-Spiele, Audio, etc.) und der militärischen Nutzung (Satelliten- und Aufklärungsdaten, Kommunikation & Lagebilder, Cyberkriegsführung, Simulationen und Training). Manche Anwendungen z.B. im Bereich der KI sind sicher sinnvoll und wünschenswert (z.B. in der Medizin), bei anderen ist der gesellschaftliche Nutzen fraglich oder gänzlich zu vermeinen. 

KI braucht Demokratie!

Rechenzentren und Künstliche Intelligenz verbrauchen nicht nur gewaltige Mengen Energie, sie sind auch eine gewaltige Macht, die sich zurzeit völlig unkontrolliert in den Händen weniger Tech-Konzerne zusammenballt. Rechenzentren wie jenes in Kronstorf sind demokratiepolitisch eine Blackbox. Diese enorme digitale Macht, die unser ganzes Leben durchdringt, darf nicht Profit-, Militär- und Überwachungsinteressen untergeordnet werden. Solche Mega-Infrastrukturen brauchen Transparenz und demokratische Kontrolle.

Öffentliche Kosten – privater Gewinn?

Die Digitalisierung wirft eine Reihe von Fragen auf. Während die Tech-Konzerne enorme Gewinne einstreichen, bleiben bei der Öffentlichkeit vor allem Kosten. Die Unternehmen zahlen wenig Steuern und minimale Sozialabgaben, da sie – im Verhältnis zu dem gewaltigen Energieverbrauch und der damit verbunden Wertschöpfung – kaum Beschäftigung erzeugen. Trotz der immensen Dimensionen werden für das Google-Rechenzentrum in Kronstorf nur 50 bis 100 Arbeitsplätze prognostiziert. Wir brauchen daher mit neuer Dringlichkeit die Diskussion über wertschöpfungsbezogene Steuern und Sozialabgaben, um die ganze Wertschöpfung – auch Gewinne und Investitionen – in die Finanzierung von Gesundheit, Pflege, Bildung usw. einzubeziehen.

Erst denken – dann bauen!

In den USA, wo diese Entwicklung schon weiter fortgeschritten ist, hat der ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders einen sofortigen Baustopp für diese Rechenzentren gefordert, um eine breite gesellschaftliche Debatte über die vielen Risiken und ungeklärten Fragen zu ermöglichen, die mit der Anwendung von Künstlicher Intelligenz verbunden sind. Eine solche Debatte brauchen wir auch in Österreich und Europa. Wir fordern daher einen Baustopp für das Rechenzentrum von Google in Kronstorf. Es muss VORHER eine breite gesellschaftliche Diskussion stattfinden: 

  • wie die gewaltigen Energieressourcen bereitgestellt werden können, ohne die Klimawende zu gefährden bzw. die Preise in die Höhe zu treiben,
  • wofür die riesigen Rechenkapazitäten gesellschaftlich sinnvollerweise benötigt (oder eben nicht benötigt) werden,
  • welche wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen wir für den verantwortungsvollen Einsatz Künstlicher Intelligenz brauchen und
  • wie eine demokratische Kontrolle dieses Prozesses stattfinden kann.  

Denn: NACHHER kann es zu spät sein!

Kronstorf Kundgebung

Eine Aktion von Solidarwerkstatt Österreich, Guter Grund, Da Huat brennt, Parents for Future OÖ

Nähere Informationen zur Aktion