Moore sind ein wichtige Biotope und speichern weltweit etwa doppelt so viel CO2 wie alle Wälder - und sie sind bedroht. Ein Beitrag zum Weltbodentag am 5. Dezember, der Bewusstsein für Bodenschutz und Bodengesundheit schaffen will.

In früheren Jahrhunderten galten Moore als „nutzlos“, unheimlich oder gefährlich und für einige von uns sind sie es noch heute. Das Trockenlegen der Moore wurde lange als "Sieg der Zivilisation" gefeiert. Heute ist bekannt: Entwässerte Moore befeuern den Klimawandel und führen zu Verlust von Biodiversität. Moore werden (oder wurden) aus verschiedenen Gründen trockengelegt, vor allem für Siedlungs- und Infrastrukturprojekte oder wegenwirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Interessen. 

Dabei sind Moore extrem effiziente Kohlenstoff-Speicher, wie der Biologe Ralf Reski von der Uni Freiburg erklärt: "Moore haben weltweit etwa doppelt so viel CO2 gespeichert wie alle Wälder - inklusive des Amazonas und anderer Regenwälder - zusammen." 

Und dies, obwohl diese Feuchtgebiete nur etwa drei Prozent der Landfläche der Erde ausmachen. Wälder dagegen rund 30 Prozent. In einem Hektar Moor mit einer 15 Zentimeter dicken Torfschicht findet sich in etwa so viel Kohlenstoff wie in einem hundertjährigen Wald auf gleicher Fläche. Moore sind also echte „Klimaschützer“ und Lebensräume von unschätzbarem Wert. Sie sind aus mehreren Gründen extrem wichtig 

1. Klimaschutz

Moore speichern enorme Mengen Kohlenstoff. Ein österreichisches Moor speichert bereits in den obersten Schichten durchschnittlich vier LKW-Ladungen Kohlenstoff pro Hektar.

2. Wasserhaushalt

Moore wirken wie ein Schwamm: Sie speichern Wasser und geben es langsam wieder ab. Das hilft, Hochwasser zu dämpfen und Trockenzeiten abzufedern.

Sie filtern zudem Nährstoffe und Schadstoffe aus dem Wasser und tragen so zur Trinkwasserqualität bei.

3. Biodiversität

Moore sind einzigartige Lebensräume für spezialisierte Tiere und Pflanzen, die oft nur dort vorkommen – z. B. der Sonnentau (eine fleischfressende Pflanze) oder seltene Libellenarten.

Der Verlust von Mooren bedeutet den Verlust dieser spezialisierten Arten. Moore wachsen extrem langsam, ein intakter Torfkörper nimmt pro Jahr nur um einen Millimeter an Mächtigkeit zu, das heißt, es dauert 1000 Jahre, um einen einzigen Meter Torf zu erzeugen.

Deshalb sind intakte Moore ein so wichtiger Schlüssel im Kampf gegen den Klimawandel und für den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Doch wie können wir diese Flächen schützen, wieder herstellen und der Zerstörung Einhalt gebieten? 

Moore Grafik
Entwässerung stoppen, Wiederverwässerung

Viele Moore wurden für Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Torfabbau durch Entwässerungsgräben trockengelegt, die Wasserhaushalte gestört. Im intakten Zustand speichern Moore mehr Kohlenstoff als jedes andere Ökosystem der Welt – werden sie jedoch entwässert, kommt der über Jahrtausende im Torf gebundene Kohlenstoff mit Sauerstoff in Berührung und oxidiert. Dadurch gelangen riesige Mengen der Treibhausgase Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) in die Atmosphäre. Wichtig ist daher, die Entwässerung und folgend Torfzersetzung, die den CO2-Ausstoß steigert, zu stoppen. Statt Ackerbau oder Viehhaltung zu betreiben, kann man z.B. angepasste Pflanzen kultivieren (Rohrkolben für Baustoffe, Schilf für Dachdeckung, Torfmoos als nachhaltiger Rohstoff)und die Landwirtschaft in Moorgebieten so gestalten, dass der Wasserstand hoch bleibt. Dann können typische Moorpflanzen zurückkehren oder seltene Arten aktiv wieder angesiedelt werden. Für die erfolgreiche Moorrestaurierung braucht man genug Wasser, die richtigen Pflanzen, nährstoffarme Bedingungen, eine angepasste Nutzung und langfristige Pflege. Kurz gesagt: Moore schützen heißt, sie nass zu halten und ihre Nutzung an das Ökosystem anzupassen. 

In Deutschland, Österreich und anderswo wird an Moor-Renaturierungen gearbeitet, mit ersten Erfolgen. Wiedervernässungsprojekte haben in Österreich bislang vor allem auf lokaler Ebene stattgefunden. Nur noch sehr wenige Moore sind in Österreich intakt. Mehr als 90 % der Moore gelten als sanierungsbedürftig. Ob die zerstörten Moorflächen restauriert werden können, hängt von vielen Faktoren ab. 

Dass das gelingen kann, zeigt ein erfolgreiches Beispiel in Deutschland. Das größte Hochmoorseegebiet Deutschlands, das "Ewige Meer", war jahrzehntelang durch Torfabbau und Entwässerung bedroht. Ab den 1980er Jahren begann man mit großflächigen Renaturierungsmaßnahmen. Mit Erfolg: Die typische Moorvegetation wie Torfmoose, Sonnentau und Wollgras kehrte zurück. Seltene Tierarten wie Kraniche, Moorfrösche und Libellen finden wieder Lebensraum. Heute ist das Ewige Meer ein bedeutendes Natur- und Klimaschutzgebiet.

Energie aus Torf – keine gute Idee!

Derzeit werden weltweit jährlich etwa 30 Millionen Tonnen Torf abgebaut. Etwa 51 % hiervon werden im Energiesektor für Heizung und Stromerzeugung verwendet. Torf wird am intensivsten in Nordeuropa zur Energiegewinnung genutzt, wo er in den letzten Jahrzehnten Gas, Kohle und Erdölprodukte teilweise ersetzt hat. Etwa 6 % der weltweit erzeugten Energie stammen aus der Verbrennung von Torf. Das ist keine gute Idee. Denn dabei wird Torf vom CO2 Speicher zur CO2 Schleuder. Das über lange Jahre eingelagerte CO2 und andere Schadstoffe werden durch die Verbrennung freigesetzt, was das Klima belastet und die Luft verschmutzt. 

Da Torf aus Mooren stammt, führt sein Abbau zur Zerstörung dieser wichtigen Kohlenstoffspeicher und Lebensräume, die nur über sehr lange Zeit wieder restauriert werden können, da Torf nur sehr langsam nachwächst - nur etwa einen Millimeter pro Jahr (!). Damit gilt Torf nicht als erneuerbare Energiequelle, auch wenn er pflanzlichen Ursprungs ist. Torfverbrennung trägt erheblich zum Treibhauseffekt und Klimawandel bei, ist ökologisch problematisch und daher nicht nachhaltig. 

Was kann jede/r Einzelne von uns tun?

> umweltfreundliche  Energiequellen nutzen wie Biomasse (z. B. Holzpellets oder Stroh), Biogas sowie erneuerbare Energien wie Wind-, Solar- und Wasserkraft, Wärmepumpen, Geothermie. 

> Statt Torferde umweltfreundliche, torffreie, nachhaltige Alternativen wie Komposterde, Rindenhumus, Kokosfasern oder Holzfasern verwenden. 

Es ist also wichtig unsere noch vorhandenen Moore zu schützen, indem man keinen Torf verwendet oder verbrennt, sondern Moore wiedervernässt und als Schutzgebiete erhält. So bleiben sie Lebensraum für viele Arten und wichtige CO2-Speicher.

Als politisch und gesellschaftliche Maßnahme ist es wichtig, Schutzgebiete auszuweisen und Landwirte zu fördern, die Moore erhalten oder renaturieren sowie entsprechende Gesetze zum Schutz der Moore zu  erlassen und keinen Freihandelsabkommen zuzustimmen, die Umwelt und Menschen bedrohen.

Eveline Steinbacher

(aus Werkstatt-Blatt 3/2025)

 Quelle: Mooratlas 2023, Österreich


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