Der aktuelle Amazon Footprint Report 2025 alarmiert. Rinderzucht und Sojaanbau sind die Haupttreiber. Das EU-Mercosur-Abkommen beschleunigt die Vernichtung des Regenwaldes.

Der Regenwald im Amazonas umfasst mehr als die Hälfte des verbliebenen tropischen Regenwaldes und weist in der Summe die größte Biodiversität aller tropischen Wälder auf. Er gilt als die „grüne Lunge“ der Welt, die über die Verdunstung von Wasser zur Stabilisierung des Erdklimas beiträgt. Der Regenwald speichert eine Menge Kohlenstoff, die dem weltweiten CO2-Ausstoß von 15 bis 20 Jahren entspricht. Doch dieser Regenwald ist in Gefahr: 20 Prozent sind bereits unwiderruflich zerstört, 45 Prozent in unterschiedlichen Stufen der Degradation. Nur rund ein Drittel ist noch intakt. 

Fläche von der Größe Österreichs in fünf Jahren zerstört

Der aktuelle Amazon Footprint Report 2025 geht nun detailliert auf die fortschreitende Entwaldung im Amazonasgebiet der vergangenen Jahre und deren Ursachen ein. Er kommt zu einem alarmierenden Ergebnis. Der Amazonas-Regenwald schwindet rasant. Rinderzucht und Sojaanbau sind Haupttreiber der Rodungen. Von 2018 bis 2022 wurden im Amazonasgebiet 8,6 Millionen Hektar Wald gerodet (eine Fläche größer als Österreich) – für den Anbau von Agrarrohstoffen, für die Rindfleischproduktion, aber auch für Holzplantagen. Das entspricht 36 Prozent der weltweiten Entwaldung im selben Zeitraum. Den Löwenanteil nimmt die Rinderhaltung ein, die außer Weideflächen auch Ackerland für den Anbau von Futtermitteln benötigt. Allein auf die Rinderzucht lassen sich 78 Prozent (= 6,7 Millionen Hektar) der Entwaldung für Agrarrohstoffe im genannten Zeitraum zurückführen. 

Auf Platz zwei folgt der Sojaanbau, dessen Anbauflächen sich im brasilianischen Regenwald in den vergangenen 20 Jahren verzehnfacht haben. Zunächst wird der Wald gerodet, um die frei gewordene Fläche als Weideland zu nutzen. Später wird die Exportpflanze Soja auf der abgeweideten Fläche angebaut, während sich die Viehzucht in verbleibende Waldgebiete verlagert. 

EU-Mercosur-Freihandelsabkommen contra Regenwald

Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen beschleunigt die Vernichtung des Regenwaldes. Denn durch Zollsenkungen, Verbot von Exportsteuern und zusätzliche Quoten soll der Export landwirtschaftlicher Güter gesteigert werden. Die Agroindustrie brennt riesige Flächen Regenwald nieder, um Weideflächen für Rinderherden und Anbauflächen für Soja, Zuckerrohr und Bioethanol (Agrodiesel) für den Export zu schaffen. Schon jetzt trägt die EU maßgeblich zur Vernichtung des Regenwaldes bei. Die Sojaanbaufläche im Mercosur, die für Exporte in die EU belegt wird, beläuft sich auf circa 13 Millionen Hektar – ein Drittel der Fläche Deutschlands, nur 13 Prozent der EU-Sojaimporte gelten als entwaldungsfrei. 

Durch das EU-Mercosur-Abkommen erhalten die Mercosur-Staaten zusätzliche zollbegünstigte Quoten für Fleisch, Zucker, Reis und Bio-Ethanol. Eine Übersicht zeigt, dass die Rind- und Hühnerfleischquoten, gemessen an den bereits existierenden Mercosur-Exporten, eine Vergrößerung um die Hälfte darstellen könnten, bei den Bio-Ethanolquoten sogar um mehr als das Sechsfache (sh. Grafik 1). Da Weideland in Süd- und Zentralbrasilien in Sojafelder umgewandelt wird, kommt es zu einer Verdrängung der Viehwirtschaft in die nördlichen Bundesstaaten, vor allem nach Amazonien. Produktion und Handel der acht Agrarprodukte, für die Importquoten vereinbart wurden, erzeugen schon jetzt Emissionen von 25,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Wenn die Quoten des EU-Mercosur-Abkommens ausgeschöpft werden, kommen laut Berechnungen der NGO GRAIN jährlich weitere 8,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente dazu. Insgesamt ist aber mit sehr viel mehr zu rechnen, da etwa die gewaltige Steigerung des Sojaanbaus in diesen Berechnungen nicht berücksichtigt ist.