ImageGeschehen Tragödien wie im Fall Luca in Tirol, der von seinem Stiefvater zu Tode geprügelt wurde, ist die Öffentlichkeit mit Schuldzuweisungen schnell zur Stelle: Wäre es nicht Aufgabe der SozialarbeiterInnen der Kinder- und Jugendwohlfahrtsträger eine solche Tragödie zu verhindern? Freilich. Nur müssten sie dafür auch mit den nötigen legistischen und materiellen Rahmenbedingungen ausgestattet werden.

Bereits im Mai 2009 stellt die Volksanwaltschaft in einem Bericht fest, dass eine dem Sinn des Jugendwohlfahrtsgesetzes entsprechende Tätigkeit der Jugendämter kaum mehr möglich ist. Einer Steigerung der Fallzahlen bis zu 150% steht eine nahezu unverändert gebliebene Zahl von SozialarbeiterInnen gegenüber. „So kann heute praktisch nur mehr auf Akutfälle reagiert werden, es gibt zu wenig Personal, um Familien längerfristig zu betreuen.“ (Volksanwaltschaft; Quelle: http://www.kiv.at/ajf. Bereits 2009 forderte der Berufsverband der SozialarbeiterInnen (OBDS) in einer Resolution die Schaffung von zumindest 500 Planposten in der öffentlichen Jugendwohlfahrt und die Herstellung von Rechtssicherheit. „Von Politik und Medien wird in regelmäßigen Abständen die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen beschworen, bzw. die gesellschaftliche Verantwortung für das Kindeswohl unterstrichen. Die alltägliche Praxis zeigt, dass den Sonntagsansprachen keine Konsequenzen folgen.“, hieß es u.a. in der Begründung.

Seitdem sind 3 Jahre vergangen. Ein Gesetzesentwurf ist nach wie vor in Begutachtung und wird zwischen Bund und Ländern hin- und hergeschoben. Ein Knackpunkt ist das vorgesehene Vier-Augen-Prinzip bei der Gefährdungsabklärung, eine für alle Beteiligten dringend notwendige Maßnahme. Freilich eine Maßnahme, die Mehrkosten für die Länder verursacht, weil mehr Personal beschäftigt werden muss. Etwas, was in Zeiten EU-verordneten Sparfimmels eine Bekreuzigung auslöst. Der Bund will sich bis 2014 mit sage und schreibe 3,9 Mio Anstoßfinanzierung beteiligen. „Diese Summe entspreche den Mehrkosten für die benötigten Planstellen“. (Wiener Zeitung, 20.4.2012) – Zur Erinnerung: als im Herbst 2008 die Banken krachten, wurde von der Bundesregierung über Nacht ein Haftungspaket von 100.000 Mio. Eur. beschlossen.

Caritas-Chef Küberl ist offenbar in jüngster Zeit überhaupt der Geduldsfaden gerissen. Er verlangte, das „gefährliche Theater“ müsse sofort beendet werden. Der erste Gesetzesentwurf von 2008 sei nach Ansicht der Caritas am besten geeignet gewesen, sei aber aus Kostengründen abgelehnt worden. (Der Standard, 13.04.2012) Diakonie Österreich, SOS Kinderdorf und der Dachverband Österreichischer Jugendwohlfahrtsvereinigungen forderten am 24. April 2012 eine Ausweitung der Betreuungspflicht bis zum 27. Lebensjahr, mehr kostenfreie Therapieplätze für Kinder und Jugendliche, eine Stärkung der präventiven Maßnahmen und österreichweit einheitliche Rahmenbedingungen. Für zehntausende Kinder würden kostenfreie Ergo- und Psychotherapieplätze fehlen.(Wiener Zeitung, 14.2.2012)