Mystery Shopping - Nein Danke!Trau niemandem“ und „Hackle bis zum Umfallen“- diese Entwicklung droht mit der Einführung des "Mystery Shoppings" in Österreich noch forciert zu werden.  Die UnterstützerInnen des Offenen Briefes "Mystery Shopping- Nein Danke" lehnen dies entschieden ab und fordern die NationalrätInnen auf, die ab 2016 geplante Maßnahmen des „Mystery Shoppings“ im Gesundheitsbereich wieder rückgängig zu machen.

 

 

 

 

 

Mystery Shopping - Nein Danke!Solidarwerkstatt Österreich
Waltherstraße 15
4020 Linz

An die österreichischen
Nationalrats-Abgeordneten


OFFENER BRIEF

 
MYSTERY SHOPPING - NEIN DANKE

Sehr geehrte Damen und Herren!

Seit längerer Zeit nimmt die Zahl der Krankenstandstage je Erwerbstätigen ab. Waren es zu Beginn der 90er Jahre noch durchschnittlich 15 Krankenstandstage, so entfielen 2014 nur mehr 12,3 Krankenstandstage auf eine/n Erwerbstätigen (minus 18%). Dass das darauf zurückzuführen ist, dass die Beschäftigten immer gesünder werden, darf man bezweifeln. Viel eher dürfte der Rückgang damit zusammenhängen, dass viele ArbeitnehmerInnen trotz Krankheit in die Arbeit gehen. Der „Krankenstandsreport 2012“ der Steirischen AK ergab, dass 63,4% der befragten ArbeitnehmerInnen trotz Krankheit zur Arbeit gehen (plus 8% gegenüber 2007); 45,2% beenden vorzeitig ihren Krankenstand (plus 15% gegenüber 2007); 70% spüren einen gesteigerten Leistungsdruck am Arbeitsplatz. Dazu passen auch die Ergebnisse einer Studie der Statistik Austria aus dem Jahr 2013: Eine Million Menschen klagen über eine durch die Arbeit verursachte Gesundheitseinschränkung. Seit diesen Umfragen ist die Arbeitslosigkeit rapid angewachsen. Wir müssen daher davon ausgehen, dass sich dieser negative Trend weiter verschärft hat.

Angesicht dieser beunruhigenden Entwicklung sehen wir es als die Aufgabe von Regierung und Gesetzgeber, Maßnahmen zu ergreifen, die die Gesundheit der Menschen besser vor dem wachsenden Druck der Arbeitswelt schützen. Mit der Einführung des sog. „Mystery Shoppings“, das der Nationalrat im Juli 2015 beschlossen hat, geschieht jedoch das glatte Gegenteil: Spione der Krankenkasse tarnen sich als PatientInnen und simulieren beim Arztbesuch eine Erkrankung. Und wenn der bzw. die darauf reinfällt, droht dem Arzt/der Ärztin Ungemach bis hin zum Entzug des Kassenvertrags. Das Resultat und wohl auch die Absicht dieser Regelung: Möglichst viel Misstrauen im Verhältnis zwischen ÄrztIn und Patient/in schüren, damit die Ärzte und Ärztinnen es sich doppelt und dreifach überlegen, ob sie jemanden tatsächlich krankschreiben. Dieses Gesetz prügelt die Ärzteschaft, trifft aber letztlich die ArbeitnehmerInnen, die dadurch noch stärker unter Druck kommen.

Wir lehnen diesen weiteren Schritt in die „Trau niemandem“ und „Hackle bis zum Umfallen“-Gesellschaft entschieden ab und fordern Sie auf, die ab 2016 geplante Maßnahmen des „Mystery Shoppings“ im Gesundheitsbereich wieder rückgängig zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Aleksandra Aleksic, Wien; Christine Althaler, Linz; Maria Auer, Ternberg; Norbert Bauer, Hattmannsdorf; Johanna Bauer-Wandaller, Leibnitz; Harald und Erika Baumgartner, Reichenthal; Betriebsrat der CS Caritas Socialis GmbH, Wien; Christoph Daill, Leonding; Peter Danler, Wien; Helmut Eberhardt, Irdning; Uli Eple, Wasserburg; Barbara Finkenstädt, Gutau; Anna Formann, Groß Enzersdorf; Dietmar Füssel, Ried/Innrkeis; Eva Gadocha, Salzburg; Anna Geisler, Traun; Silvia Gotsch, Kaumberg; Christina Granzer, Linz; Roman Gutsch, Wien; Bernhard Hermann, Wien; Hans Holzach, Maria Schmolln; Eva Hötzendorfer, Tragwein; Gabriele Jogl, Wien; Karl Juritsch, Klagenfurt; Heidemarie Kaufmann, Trofaiach; Gerhard Kögler, Wien; Maria Krammer, Salzburg; Ulla Krappinger, Klagenfurt; Walter Lamplmayr, Freistadt; Raimund Boris Lechthaler, St. Leonhard; Waltraud Lechthaler, Schwertberg; Heinz Leitner, Wien; Barbara Lutz, Wien; Gert Lyon, Graz; Margareta Matscheko, Freistadt; Andrea Mayer-Edoloeyi, Linz; Thea Meinharter, Wien; Sandra und Olga Mörixbauer, Enns; Leopold Mörtendorfer, Neuhofen an der Krems; Susanne Müller, Alkoven; Robert Müller, Wien; Hans-Peter Nusko, Leoben; Gerald Oberansmayr, Linz; Simon Obrovsky, Graz; Günther Ofner, Wien; Franz Ofner, Wien; Markus Pendl, Feldbach; Andreas Pfeiffer, Ilztal; Leopold Proksch, Wien; Ernesto Quietensky, Reichenau/Hirschwang; Erwin Resch, Wien; Ingeborg Rowhani, Wien; Brigitte Schaberl, Graz; Romana Scheiblmaier, Linz; Josef Schintlmeister, Wien; Erika Schmöllerl, Linz; Rudolf Schober, Ottensheim; Andreas Spängler, Salzburg; Christine Sperl, Braunau; Roman und Ulrike Stadler, Engerwitzdorf; Elisabeth Staudecker, Klagenfurt; Rainer Staudecker, Klagenfurt; Iris Steibelmüller, Linz; Eveline Steinbacher, Linz; Alois Stifter; Glashuetten; Irmgard Wartner, Gallneukirchen; Eduard Weichselbaum, Jettsdorf; Johanna Weichselbaumer, Alkoven; Herwig Weigl, Wien; Winfried Wenninger, Lienz; Ernst Wieblitz, Salzburg