Infolge der Coronakrise erleben wir auch eine Lehrstellenkrise, die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen geht steil nach oben. Gegenmaßnahmen sind dringend angesagt.

War Anfang des Jahres das Verhältnis von Lehrstellensuchenden und offenen Lehrstellen noch einigermaßen ausgeglichen, so sieht die Bilanz im Mai 2020 düster aus: auf 4.585 offene Lehrstellen entfallen 8835 Lehrstellensuchende. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist explodiert: Im Mai 2020 waren 54.397 im Alter zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos. Im Vergleichsmonat des Vorjahres waren es 26.696. D.h. die Jugendarbeitslosigkeit hat sich mehr als verdoppelt.

Gerade für junge Menschen stellt die Erfahrung von Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit eine schwere soziale und psychische Belastung dar. Jugendliche, die sich nicht in Ausbildung oder Arbeit befinden, haben eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, psychisch zu erkranken. Aber auch gesamtwirtschaftlich kommt uns Jugendarbeitslosigkeit teuer zu stehen. Für 2011 berechnete die Universität Linz die Kosten durch arbeitslose Jugendliche für Österreich mit 3,2 Milliarden Euro. Damals lag infolge der Finanzkrise die Jugendarbeitslosigkeit bei 8,9 Prozent. Heute liegt die Jugendarbeitslosigkeit wegen Corona bei fast 10 Prozent und dementsprechend drohen auch enorme zusätzliche Kosten, wenn nicht rasch gegengesteuert wird.

Die ÖGB-Jugendvorsitzende Susanne Hofer mahnt rasches Handeln ein: „Aufgrund der Corona-Krise ist ein massiver Wegfall von Lehrstellen zu befürchten. Wenn wir jetzt nicht Lehrstellen schaffen, fehlen uns in drei Jahren die Fachkräfte. Es darf keine Generation Corona geben, die in Jugendarbeitslosigkeit abdriftet“. Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) fordert daher die Erhöhung der Finanzmittel für die überbetriebliche Lehrausbildung und die Aufstockung der überbetrieblichen Lehrstellen sowie der Ausbildungsplätze im staatlichen und staatsnahen Bereich. Außerdem muss rasch ein Corona-Not-Ausbildungsfonds eingerichtet werden, dotiert mit 140 Millionen Euro zur Unterstützung von Betrieben, die trotz coronabedingten wirtschaftlichen Schwierigkeiten Lehrlinge ausbilden wollen.

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