ImageEin Leserbrief des eh. ORF-Moderators Udo Bachmair an das Profil. Er kritisiert die Schwarzweißmalerei und Feindbildpflege, die in diesem Nachrichtenmagazin in Bezug auf die Ukraine dominiert. Dieser Leserbrief wurde zunächst gar nicht und schließlich nur in stark gekürzter Form im Profil abgedruckt. Hier ist er in voller Länge.

Leserbrief Udo Bachmair zu Christian Rainers „Barack Putin" : (Profil, 15,3,2014)

Gerade ein gefährlicher Konfliktfall wie der rund um die Ukraine bedarf einer besonderen Verantwortung und Sorgfalt von Medien. Nun hat sich aber auch das Profil („Putin, der gefährlichste Mann der Welt") in den teils hetzerischen Mainstream westlicher Berichterstattung gegen Russland eingereiht. Erstaunlich für ein Medium, von dem man normalerweise eine differenzierte intellektuelle Sichtweise gewohnt ist.

In dieser Causa aber begünstigt leider auch das Profil (gewollt oder ungewollt) Schwarzweißmalerei und Feindbildpflege, wenn Christian Rainer etwa in Russland (nach wie vor) ein Land siehst, das andere Länder „sicher überfallen" würde. Westlicher (US-)Propaganda auf den Leim gegangen sein dürfte der Autor auch mit seiner Einschätzung, dass die „Nato-Einsätze im Kosovo-Krieg, in Afghanistan, in Libyen nicht der Vergrößerung der eigenen Einflusssphäre dienten", sondern dass sie „Völkermord und internationalen Terrorismus unterbinden". Völlige Selbstlosigkeit des Westens also und rein humanitäre Motive ? Das erschiene mir als fast naiver Glaube an das Gute, für das angeblich nur der Westen steht. Der hat aber angesichts seiner schweren Völkerrechtsverletzungen mit Bombenangriffen auf souveräne Staaten vom Irak bis Libyen beileibe keinen Grund, mit dem moralischen Zeigefinger auf den bösen Osten zu zeigen.

Selbstverständlich ist Kritik an der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim an Russland legitim, auch wenn Moskau in seiner Propaganda das Selbstbestimmungsrecht der Völker in den Vordergrund rückt. Aber nicht hassvolles „Putin-Bashing" ist jetzt das Gebot der Stunde, sondern das Bemühen um Dialog mit dem Ziel, eine weitere Eskalation der Lage zu verhindern. Voraussetzung dafür wäre allerdings gerade auch die Fähigkeit von Journalist/innen, sich in Lage und Interessen auch der anderen Seite, in diesem Fall der russischen, hineinversetzen zu können. Ganz im Sinne eines Qualitätsjournalismus, dem sich ja auch das Profil verpflichtet fühlt. Mein Appell jedenfalls: Hören wir doch bitte endlich auf mit dem unseligen Freund-Feind-Denken.

Mit herzlichen Grüßen
Udo Bachmair

Präsident der Vereinigung für Medienkultur (www.medienkultur.at) /Ex-ORF-Moderator und Redakteur