Die Interessengemeinschaft work@social will wissen, was die Beschäftigten wirklich brauchen.
Die Qualität der Leistung im Gesundheits- und Sozialbereich hängt davon ab, wie die Arbeitsbedingungen sind. Als Gewerkschaft gestalten wir aktiv mit den BetriebsrätInnen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich mit. Neben den Gehaltserhöhungen stehen Verbesserungen für die Arbeitsbedingungen im Vordergrund. Zufriedene, gut ausgebildete MitarbeiterInnen kommen uns allen in der Gesellschaft zu gute, vor allen denjenigen die Leistungen am dringendsten brauchen. Work@social fragt deshalb bei denjenigen nach, die es am besten wissen müssen: den Beschäftigten! Jeder Kollege und jede Kollegin ist aufgerufen, sich an der Kampagne zu beteiligen. Selma Schacht, Vorsitzende der Interessengemeinschaft sagt dazu: „Ein Ziel ist, dass die Beschäftigten aktiv über die gestellten Fragen nachdenken, ein zweites dass wir als Gewerkschaft mit den Antworten wichtige Inputs für unser weiteres Agieren bekommen. Drittes Ziel ist, im Sinne des Organizing-Gedankens, Kolleginnen und Kollegen durch diesen Prozess auch für aktive Gewerkschaftspolitik gewinnen zu können.“
Wo brennt es unter den Nägeln?
Viele werden jetzt sagen, oh da fällt mir aber sofort viel dazu ein. Um die Ergebnisse besser darzustellen und auszuwerten, gibt die Interessengemeinschaft work@social fünf Themen vor, die die KollegInnen als die großen „Problemfelder“ identifiziert haben. 
Im Gesundheits- und Sozialbereich ist 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag der Einsatz der Beschäftigten gefordert. Hier spielt Arbeitszeit eine große Rolle. Das Thema „Arbeitszeit ist Lebenszeit“ zielt darauf ab, was es braucht, um die Zufriedenheit der KollegInnen zu steigern. Was kann man bei der Dienstplangestaltung verbessern? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich Pflegefreistellung für meine Tochter brauche? Ist es besser einen fixen Dienstplan zu haben, oder soll dieser im Team erarbeitet werden? „Arbeitszeitverkürzung jetzt!“ thematisiert die Länge der wöchentlichen Arbeitszeit. Viele KollegInnen arbeiten Teilzeit und haben somit Ihre Arbeitszeitverkürzung selbst bezahlt. Ist das der richtige Weg? Welche Arbeitszeit wäre ideal um einen fordernden Beruf und die Familie und private Anliegen unter einen Hut zu bringen?
Gerne wird in Sonntagsreden darauf hingewiesen, dass erfahrene MitarbeiterInnen die Säule des Betriebes sind. Oft handelt es sich dabei nur um Lippenbekenntnisse. Denn obwohl die Gesellschaft immer älter wird, und obwohl das Pensionsalter angehoben wurde, sind ältere MitarbeiterInnen in den Betrieben rar. Darum wollen wir zum Thema „Es zählt die Erfahrung“ diskutieren, wie jung und alt gut zusammenarbeiten können und welche Arbeitsbedingungen ältere MitarbeiterInnen brauchen, um den Beruf nicht vorzeitig zu verlassen.
In einem sehr reichen Land, sollte man meinen, dass genug für alle(s) da ist. Aber gerade im Sozialbereich wird auf die gestiegenen Anforderungen und höheren KlientInnen- und PatientInnenzahlen nicht ausreichend reagiert. Bundesvorsitzende Selma Schacht: „Die Arbeit im Sozial- und Gesundheitsbereich wird immer mehr von der Frage “Was kostet es” als von der Frage “Was braucht der Mensch” geleitet. Ausbaden muss dies die breite Masse der Lohnabhängigen und ihrer Angehörigen, sowie doppelt die in diesem Bereich Beschäftigten.“ Um die Finanzierung dieses Bereiches muss tagtäglich gekämpft werden. Wir meinen „Es ist genug für alle(s) da!“, und wollen die Meinung der Beschäftigten dazu hören.
Beim Thema „Arbeitsplatz ist Lebensplatz“ geht es um die geforderte Qualität in der Arbeit. Wir wollen wissen, was notwendig ist um die Arbeit gut zu erledigen. Wie muss die Arbeit gestaltet werden, damit man jeden Tag gerne hingeht?
Info:
Ein Angebot an alle BetriebsrätInnen und KollegInnen, die aktiv mitmachen wollen: es gibt die Möglichkeit die Kampagnenmaterialien für alle Beschäftigten zu bestellen. Dieses besteht aus Plakaten und Postkarten zu jedem Thema. Die Entscheidung ob ein oder mehrere ausgewählte Themen oder gleich alle im Betrieb diskutiert werden, liegt beim Betriebsrat. Möglich ist auch, die Themen zeitlich hintereinander in den Betrieb einzubringen. Unabhängig davon werden alle Mitglieder der work@social aufgerufen, im Internet mit zu diskutieren. „Wir wollen mit den Kampagnenmaterialien all jenen, die diese grundlegenden, wichtigen Themen mit den KollegInnen diskutieren wollen, ein praktisches Werkzeug für ihre wichtige Arbeit im Betrieb zur Verfügung stellen.“, sagt Selma Schacht.
Work@social vertritt die Beschäftigten im privaten Gesundheits- und Sozialbereich. Eintragen und Mitmachen geht ganz einfach unter: www.gpa-djp.at/seidabei. Nähere Informationen zur Interessengemeinschaft work@social und zur Kampagne unter www.gpa-djp.at/social
Eva Scherz, GPA-djp
Nachtrag Solidarwerkstatt:
Wir unterstützen gerne gewerkschaftliche Kampagnen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Auf eines gilt es aus unserer Sicht dabei immer wieder hinzuweisen: Schlechte Arbeitsbedingungen gerade im Sozialbereich hängen eng mit der EU-diktierten Austeritätspolitik zusammen, wie sie zB durch den Fiskalpakt vorgegeben wird, dem leider auch SpitzengewerkschafterInnen wie z.B. GPA-djp Vorsitzende Katzian im Nationalrat zugestimmt haben. Hier dazu einige nähere Informationen:
Im neoliberalen Schraubstock
http://www.werkstatt.or.at/index.php?option=com_content&view=article&id=1076&Itemid=86
Im eigenen Würgegriff
http://www.werkstatt.or.at/index.php?option=com_content&view=article&id=1136&Itemid=86
Dossier "Nein zum Fiskalpakt - Volksabstimmung!"
http://www.werkstatt.or.at/index.php?option=com_content&view=article&id=617&Itemid=98
Eva Scherz, GPA-djp