Diskussion - Antwort von "Europa geht anders" auf den offenen Brief der Solidarwerkstatt. Einfach mal unseren Aufruf genau lesen:
Auch hier:
"Durch die Verschiebung von budget- und wirtschaftspolitischer Gestaltungsmacht von den Mitgliedsländern hin zu europäischen Institutionen werden Entscheidungsspielräume von nationalen Parlamenten, wo Frauen zwar nach wie vor unterrepräsentiert sind, aber in den letzten Jahrzehnten doch an Einfluss gewinnen konnten, drastisch eingeschränkt.""Die neuen wirtschaftspolitischen Mechanismen fördern die angeblich unabhängige Expertokratie. Es zeigt sich jedoch, dass gerade technokratische, nicht demokratisch kontrollierte und legitimierte Entscheidungsmechanismen besonders anfällig für verschleierte Interessenpolitik und einseitige Geschlechterpolitik sind. Gleichzeitig haben die neuen Regeln implizite Schieflagen, die Gleichstellung behindern und zu Lasten von Frauen wirken. Der Druck zum Kürzen öffentlicher Leistungen, die Marktgläubigkeit und das Ziel der Geldwertstabilität dominieren alle Politikbereiche. So werden sozialstaatliche Leistungen drastisch beschnitten, was die Situation von vielen Frauen, die aufgrund gesellschaftlicher Arbeitsteilung einen großen Anteil der Sorge-, Pflege- und Haushaltsarbeit zu leisten haben, weiter schwächt. Die Durchsetzung wirtschaftlicher, sozialer und politischer Gleichstellung von Frauen und Männern wird damit erschwert. Der durch die Politik der leeren Kassen verstärkte Druck auf Risikoindividualisierung belastet über dies all jene, die nicht dem Idealbild der flexiblen, wenn möglich gut gebildeten, jederzeit einsatzbereiten Arbeitskraft entsprechen.
Die strikten Schulden- und Defizit Regeln führen in vielen Ländern zu drastischen Maßnahmen. So sind Lohnkürzungen und Abbau öffentlicher Beschäftigung, oft besonders in frauendominierten Bereichen, auf der Tagesordnung. Ausgehend davon, dass der öffentliche Sektor immer noch relativ gute Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen bietet mit geringerem Gender Pay Gap (Lohnschere) und oft besseren Arbeitsbedingungen, bedeutet dieser Abbau, dass die Ungleichheiten am Arbeitsmarkt vielfach zu Lasten von Frauen wieder drastisch steigen."