ImageInterview des Werkstatt-Blatts mit Gerhilde Merz von der christlichen Friedensbewegung Pax Christi über die Kampagne "Besatzung schmeckt bitter". Mit dieser Kampagne soll Druck gegen die jahrzehntelange völkerrechtswidrige Besetzung palästinensischer Gebiete und die illegale Landnahme zum Bau von israelischen Siedlungen gemacht werden.

Werkstatt-Blatt: Pax Christi beginnt mit der Kampagne „Besatzung schmeckt bitter“. Was ist der Hintergrund dieser Kampagne?

Gerhilde: Der Hintergrund ist die seit 1967 fortwährende völkerrechtswidrige Besatzung der palästinensischen Gebiete und die illegale Landnahme in den besetzten Gebieten zum Bau von israelischen Siedlungen. Damit wohnen bereits mindestens 350.000 israelische Staatsbürger auf den enteigneten Ländereien, und es sollen nach dem Wunsch der israelischen Administration noch viel mehr werden – bis zur endgültigen Annektion und Einverleibung des gleichzeitig mit der Gründung des Staates Israel den palästinensischen Einheimischen von der UNO zugesprochenen Gebietes. Diese Besatzungspolitik schmeckt in vielerlei Hinsicht bitter: Sie macht die PalästinenserInnen zu Menschen zweiter Klasse, demütigt, entrechtet und vertreibt sie. Israels Siedlungs- und Abriegelungspolitik beraubt sie wertvoller Ressourcen. Zäune, Mauern und Checkpoints verbauen den PalästinenserInnen ein humanes Leben. Gerade derzeit erleben wir, wie tausende palästinensische Beduinen von ihrem Land vertrieben werden sollen, um Raum für weitere israelische Siedler zu schaffen.

WB: Was soll mit dieser Kampagne erreicht werden?

Gerhilde: Wir rufen zum Verzicht auf Waren auf, die in den völkerrechtswidrigen Siedlungen auf besetztem Gebiet produziert worden sind. Als Zeichen des Protests gegen diese Missachtung von Völker- und Menschenrechten, die einen gerechten Frieden verhindert, wollen wir gemeinsam mit vielen gewaltlosen Aktionsgruppen weltweit gewaltfrei Widerstand leisten. Israels Siedlungen verstoßen gegen Art. 49 der Vierten Genfer Konvention. Wer dazu beiträgt, dass diese Siedlungen profitabel sind, leistet einem Bruch des humanitären Völkerrechts Vorschub. Auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat 2004 die Staatengemeinschaft aufgerufen, „keine Beihilfe oder Unterstützung“ zum Erhalt der Siedlungen zu leisten. Das Problem dabei ist freilich, dass die Produkte, die dort hergestellt werden, als „Made in Israel“ in unseren Kaufhäusern landen. Das ist irreführend, denn es lässt nicht erkennen, ob die Waren tatsächlich aus Israel kommen, wofür es spezielle Zollvereinbarungen gibt, oder aus den Siedlungen. Wir fordern daher eine klare Deklarierung dieser Produkte! Dafür gibt es bereits internationale Beispiele: Südafrika etwa anerkennt seit 2012 nur mehr Produkte aus dem von der UNO 1948 anerkannten Gebiet als „Made in Israel“.

WB: Was kann der/die Einzelne tun, wenn gar nicht erkenntlich ist, woher die Produkte nun wirklich kommen?

Gerhilde: Als Verbraucher, Verbraucherin kann ich nachfragen, ob das angebotene Produkt wirklich aus Israel stammt. Bestehen Sie darauf, dass die Deklaration genau und richtig ist. Als Zwischenhändler kann ich versuchen, bei der Übernahme der Waren ähnliche Fragen an den Großverteiler zu stellen, der über zollrechtliche Fragen informiert ist. Der Großverteiler wird das an den Strichcodes kennen. Denn auf dem Strichcode, der aus neun Ziffern besteht, sollte die genaue Postleitzahl des Herkunftsortes ersichtlich sein. Die Siedlungen in den seit 1967 besetzten Gebieten tragen überwiegend den Code xxxxx01-99. Und schließlich: Auf das schöne Obst und Gemüse, auf Kosmetikprodukte vom Toten Meer und auf die ach so praktischen Sodawasser-Erzeuger verzichte ich, wenn mir die Herkunft zweifelhaft erscheint.

 

 


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Besatzung schmeckt bitter,

deshalb keine Karotten, Avacados, Kaki, Erdbeeren, Paprika,
Datteln, Frühkartoffel, Kräuter (Schnittlauch), Mangos,
(Cherry)Tomaten, Melonen und Zitrusfrüchte aus
völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen in den Einkaufskorb!

 

Kaufverzicht für einen gerechten Frieden
in Israel und Palästina

Überlegen Sie, was Sie unterstützen möchten:
Frieden oder Besatzung!

  



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