Im Juni 2019 ist ein neues Buch von Günther Lanier im guernica-Verlag erschienen: AFRIKA: EXKURSIONEN AN DEN RÄNDERN DES WELTSYSTEMS. Hier einführende Worte des Autors sowie Leseproben aus dem Buch.

Afrika. Exkursionen an den Rändern des Weltsystems

von Günther Lanier

Als Deutschsprechende sind wir meist EuropäerInnen. Aus europäischer Sicht fanden die letzten großen Entdeckungen, die auf der Welt zu machen waren, ganz überwiegend im Inneren des afrikanischen Kontinents statt. Im 19. Jahrhundert war das und es ist kein Zufall, dass es kurz vor der kolonialen Eroberung geschah. Wissenschaft und Mission sind seit je HelfershelferInnen.

Weiße Flecken suchen wir heute auf der Weltkarte umsonst. Auch Afrika ist von hinten bis vorne vermessen und es gibt keinen Quadratzentimeter, der nicht einem Staat zugeteilt ist.

Dennoch: In unseren Köpfen ist Afrika meist eine Leerstelle geblieben. Der “dunkle Kontinent“ gilt nach wie vor als gefährlich, nur AbenteurerInnen können sich da hinwagen.

Doch dunkel ist Afrika nur, weil wir so wenig wissen. In Wirklichkeit scheint hier die Sonne, ist es lichtdurchflutet. In Wirklichkeit sind Schätze zu bergen – nicht nur Bodenschätze, die haben sich für den Kontinent mehrheitlich als Fluch erwiesen, sondern neben den realen vor allem intellektuelle Schätze. Afrika ist reich an Geschichte(n), Sprachen, Ideen, Land, SportlerInnen, an Kulturen, Werten wie Gastfreundschaft, reich an Traditionen und Bräuchen, an Tanz und Musik und (Lebens)KünstlerInnen.

Dieses Buch zeigt Afrika in seinen Siegen und Niederlagen. Und berichtet von seinem Alltag. Von seiner Ökologie und Ökonomie, seiner Politik und Geschichte, seinen MigrantInnen und von der Lage der Frauen in der afrikanischen Variante des Patriarchats, es erzählt Anekdoten, bietet Momentaufnahmen und historische Abrisse, macht Ausflüge in die Theorie und berichtet von der Praxis und der Notwendigkeit des Widerstands – immer bildunterstützt: Grafiken, Tabellen, Karten und vor allem Fotos.

Meiner Überzeugung nach eignet sich Afrika nicht für EINE “große Erzählung“. Zu vielfältig und verschieden ist der Kontinent einerseits und andererseits hatte und hat er Teil an der Welt. Die (unabhängig voneinander lesbaren) Kapitel dieses Buches sind Mosaik- oder Puzzleteile – mit deren Hilfe sich die Welt zusammensetzen lässt. Oder genauer: das Weltsystem – und bei diesem und wie es sich im Zuge des immer globaler werdenden Kapitalismus herausgebildet hat, handelt es sich sehr wohl um eine “große Erzählung“, möge die Postmoderne sich an diesem Begriff noch so sehr stoßen.

Dass die Puzzleteile in diesem Buch unüblicherweise aus Afrika stammen, schärft die Analyse und verfeinert die Erzählung: Denn von der Peripherie her, aus subalterner Position, sind die Mechanismen des weltumspannenden marktwirtschaftlichen Kapitalismus anders wahrnehmbar und genauer analysierbar.

Den mauritischen Dichter Edouard Maunick paraphrasierend, ließe sich selbstbewusst postulieren:

Wir sind von nirgends,
kommen von überall.
Afrika ist die morgige Welt.
Seine Kinder mit ihren fruchtbaren Spielen
lernen schon das planetarische Alphabet.
Was in den Altvorderen kraftvoll lebte, dauert in ihnen fort:
das Verweigern des Schattens, der Platz an der Sonne.


>> Afrika. Exkursionen an den Rändern des Weltsystems
Günther Lanier
576 Seiten (A5), EUR 19,90.
Zu bestellen bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel. 0664_1540742

Leseproben aus dem Buch:
>> Mit zunehmender Sorge - Offener Brief ins Herzen der Finsternis Weiterlesen
>> Berauf fließendes Wasser - Afrika subventioniert die satte Welt Weiterlesen

>> Zum Inhaltsverzeichnis.

Der Autor: Günther Lanier, hat seit Mitte 2002 Ouagadougou zu seinem Lebensmittelpunkt gemacht, die Hauptstadt des zweitheißesten Landes der Welt, Burkina Faso. Bei den in Buchform vereinten Afrikanischen Exkursionen handelt es sich um die 89 Artikel, die er im Lauf der letzten gut zwei Jahre auf der Webseite von Radio Afrika veröffentlicht hat und die nun dauerhafter und einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. 2017 veröffentliche Günther Lanier das Buch "Land der Integren - Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen" (guernica-Verlag).