ImageGrußworte von Boris Lechthaler im Namen der Werkstatt Frieden & Solidarität an die Palästinensische Gemeinde in Oberösterreich (Volkshaus Harbach, Sonntag, 28. März 2010). Frieden und Gerechtigkeit sind unteilbar, Österreich muss sofort seine Militärkooperation mit der israelischen Armee beenden!

 

 


Geschätzte Damen und Herren!

Liebe Freundinnen und Freunde,

 

namens der Werkstatt Frieden & Solidarität - Österreich,

bedanke ich mich herzlich für die Einladung zu Eurer Veranstaltung.

Ich darf Euch namens unserer Mitglieder und Freundinnen und Freunde

die besten Grüße überbringen und soll Euch versichern, daß wir unverrückbar neben Euch, vor Euch und hinter Euch stehen, in Eurem Bemühen um Frieden und Gerechtigkeit in Palästina.

Wir möchten Euch auch ausdrücklich willkommen heißen in unserem Österreich,

wir hoffen, daß Ihr und Eure Familien Euch wohlfühlt in unserem Land, daß Ihr hier gut leben und arbeiten könnt und haben gleichzeitig volles Verständnis, dafür, daß Eure Gedanken,

Euer Hoffen und Sehnen nach wie vor bei Euren Mitmenschen in Palästina sind.

 

Frieden und Gerechtigkeit – welch große Worte ?

Große Worte, an denen zu zweifeln, niemandem vorgeworfen werden kann -

angesichts der fortdauernden, menschenverachtenden Ungerechtigkeit, mit der Eure Mitmenschen in Palästina tagtäglich konfrontiert sind,

angesichts der fortdauernden strukturellen Gewalt,

angesichts des immer wiederkehrenden Blutvergießens.

Bemühen wir uns, daß aus diesem Zweifeln kein Verzweifeln wird.

Dazu kann uns nur gelebte Solidarität verhelfen.

Jeder und jede, die einen höheren Sinn in Eure Leidensgeschichte hineininterpretiert,

muß als Zyniker und Zynikerin bezeichnet werden.

Und doch ist die gesamte Menschheit aufgerufen,

auf Palästina zu schauen und zu hören,

um zu begreifen,

daß Frieden und Gerechtigkeit unverbrüchlich zusammengehören,

daß jeder und jede scheitern werden,

die glauben, daß Eine ohne das Andere bekommen zu können.

 

Wir wissen, eine dauerhafte friedliche und gerechte Lösung,

müssen die Menschen in Palästina selbst finden.

Aber wir wissen auch, dass regionale und globale Mächte unmittelbar in den Konflikt involviert sind,

und es gibt ernsthafte Gründe anzunehmen,

daß das Fortdauern der Auseinandersetzung eine willkommene Begründung für

die permanente Präsenz und Intervention dieser Mächte in Palästina und im gesamten

Nahen und Mittleren Osten ist.

Mit Abscheu und Ekel müssen wir feststellen, daß viele europäische Mächte,

insbesondere auch Deutschland, zu den größten Waffenlieferanten sowohl für Israel

als auch Staaten wie Saudi-Arabien geworden sind.

 

Mit Schrecken mußten wir feststellen, dass auch das nominell neutrale Österreich von seiner Regierung in diesen Mechanismus geführt wurde. Österreich hat seit wenigen Jahren ein Militärabkommen mit Israel und das österreichische Bundesheer veranstaltet gemeinsam mit der israelischen Armee Ausbildungseinheiten zur – wie es heute heißt - „riot control“. Offensichtlich sind die Erfahrungen der israelischen Armee bei der Drangsalierung und Unterdrückung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten eine begehrte Erfahrung für Kräfte, deren Sehnen die globale Machtprojektion ist.

Ein offener Brief der Werkstatt Frieden & Solidarität gemeinsam mit dem Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit in Bad Ischl wurde vom zuständigen Bundesminister für Verteidigung Norbert Darabos nur mit nichtssagenden Worten beantwortet.

Am Willen zur Fortsetzung dieser unseligen und offenkundig neutralitäts- und damit rechtswidrigen Zusammenarbeit ließ er keinen Zweifel. 

 

Liebe FreundInnen und Freunde,

ich darf an dieser Stelle unsere Forderung wiederholen:

Herr Bundesminister beenden sie sofort diese rechtswidrige Zusammenarbeit mit der israelischen Armee.  

Geschätzte Damen und Herren,

Liebe Freundinnen und Freunde,

mit Bedauern und mit dem Ersuchen um Verständnis, muß ich darauf hinweisen,

daß unsere Möglichkeiten Euch zu helfen und unterstützen, sehr begrenzt sind.

Die Werkstatt Frieden & Solidarität fühlt sich selbst als Teil einer Bewegung für die Freiheit und Unabhängigkeit unseres Landes. Wir wollen unabhängig sein von den globalen Machtphantasien der neuen, alten europäischen Eliten, die unser Land in den vergangenen Jahrhunderten in große Katastrophen geführt haben und die  auch Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Gewalt in Eurem Land für ihre Machtprojektion nutzen wollen.

Freilich Gestalt und Verlauf unserer Bemühungen sind unvergleichlich mit dem unserer Mitmenschen in Palästina. Aber jeder und jede, die diese Verbindung sehen, hören und fühlen will, wird sie wahrnehmen.

 

So darf ich abschließend meine Zuversicht zum Ausdruck bringen,

daß ein neutrales, solidarisches und weltoffenes Österreich,

indem sich alle Menschen unabhängig von Herkunft und Bekenntnis entfalten können,

der beste Beitrag für Frieden und Gerechtigkeit in Palästina nicht nur wäre,

sondern sein wird.

 

Danke für Eure Aufmerksamkeit und Viel Erfolg für Eure Veranstaltung.

 

Boris Lechthaler

Werkstatt Frieden & Solidarität (Vorsitzender)