Rede von Judith Rachbauer bei der Friedenswanderung am 26.4.2026 zum Haushamerfeld, wo am 15. Mai 1625, 36 Männer von einem Standgericht verurteilt wurden, um ihr Leben zu würfeln. Dies war der Auslöser für die Bauernrevolte in Oberösterreich. In ihrer Rede stellt sie eine Verbindung zur Gegenwart her.

Rede Friedenswanderung Haushamerfeld 2026

„Es ist mein ernstlicher Befehl, dass ihr allesamt, die Bürger, sowohl als die Bauern, die Innleute und Dienstknechte, wie alle Hausgesessene, soviel euer seien, morgen am Donnerstag, das ist den 15. Mai, aufs längste um 3 Uhr nachmittag auf dem Haushamerfeld bei der großen Linde unfehlbarlich, doch ohne Wehr und Waffen erscheinet; mit diesem gnädigsten Erbieten, dass wer Gnade begehrt, Gnade finden soll.“,

so Adam Graf von Herbersdorf, bayrischer Statthalter ob der Enns. Er zitierte 5000 Männer auf das Haushamerfeld und wie wir schon von Herrn Krammer gehört haben: 36 Männer wurden verurteilt und mussten dort um ihr Leben würfeln.

Das Standgericht am Haushamerfeld am 15. Mai 1625 war menschenverachtend und die Wut und das Entsetzen darüber waren mit ein Auslöser für die Bauernrevolte in Oberösterreich ein Jahr später.

Von den 17 zum Tode verurteilten Männern aus Frankenburg und Umgebung wurden einige sofort auf der Linde, an Ort und Stelle des Geschehens erhängt. Das sind:

  • Georg Preiner von Hausham
  • Georg Wilhelm von Gampern
  • Georg Perner von Bergham
  • der Wirt zu Baumgarting

Die anderen wurden zur Abschreckung mit Glockenstricken an den jeweiligen Kirchtürmen ihrer Heimatgemeinden erhängt.

Am Kirchturm von Frankenburg:

  • Richter Christoph Strattner
  • Ratsherr David Müller
  • Ratsherr Hans Frödl
  • Hans Streicher von Peunt
  • Michael Paur von Egnern
  • Abraham Hammer von Dorf
  • Der Färbergeselle Siegmund wurde nachträglich gefangen und gerichtet.

Am Kirchturm zu Vöcklamarkt

  • Marktrichter Sebastian Nader
  • Ratsherr Sebastian Tiechler
  • der Färber Wolf Fürst

Am Kirchturm zu Neukirchen

  • Wilhelm Hager zum Kien
  • Johann Geutner zum Windpichl
  • Tobias Stromair zu Au

Verstörend ist die Reaktion des Passauer Bischofshofs nach dem Blutgericht.

In dem Schreiben des Bischofshofs an den Pfleger zu Starhemberg bei Haag heißt es dazu:

„Ich verwundere mich, dass die meutemacherischen Pauern eine so große Lust zum Strick haben. Ist schier zu viel, dass man die Gotteshäuser und Kirchtürm mit ihnen verunehrt, gehereten billiger auf einen Schünter Waasen (Aasplatz, ein Ort wo die Überreste von Tieren entsorgt werden), wo die Raben und anderes Ungeziefer sich gern versammelt….“

Dieses Blutgericht, die Not der Bauern durch die vielen Abgaben und der Zwang, katholisch zu werden, waren ein Jahr später der Auftakt zur Erhebung der Bauern. Die Bauern wollten evangelisch bleiben. Im Evangelium entdeckten sie: die FREIHEIT. Und sie entdeckten, dass sie Menschen mit Würde waren, Bauern wie Adam und Eva von Gott geschaffen.

In ihrem Zusammenschluss entdeckten sie eine Gesellschaft der BRÜDERLICHKEIT. Die Männer entdeckten eine kollektive Kraft in ihrer Bewegung, die im gemeinsamen Leben und im gemeinsamen Marschieren bestand.

Meine Ansprache hat das Ziel, eine Verbindung zur Gegenwart zu schaffen. - Das fällt eigentlich – nach einigem Überlegen -  nicht schwer:

Die vielen Menschenleben, die die Revolte der Bauern kostete,

die Traumata, die die Familien nach der Ermordung der Väter erlebten,

der katholische Glaube, der den Menschen aufgezwungen wurde, sofern sie nicht das Land verlassen haben -

all das wirkte Generationen, wahrscheinlich bis heute nach.

Vielleicht weil die Mächtigen damals mit aller Härte zurückgeschlagen haben, fehlt uns heute der Mut zum Handeln. Wir Frauen für Frieden wollen durch unsere kleinen Aktionen Mut für einen gewaltfreien Protest machen.

Wie die Bauern vor 400 Jahren befinden auch wir uns in einer Gesellschaft der zunehmenden Militarisierung.

Der militärisch-industrielle Komplex vernichtet weltweit Leben.

Er hilft wenigen zu horrenden Profiten.

Er untergräbt die Demokratie

Er zerstört die Umwelt

Der militärisch-industrielle Komplex rückt den Frieden in immer weitere Ferne.

Wir Frauen für Frieden OÖ hoffen auf eine kräftige Friedensbewegung in Österreich und Europa . Wir wollen unsere Stimmen gegen Militarismus und Kriegstreiberei erheben.

Für mich persönlich ist klar: Wir müssen unsere Stimme erheben! Wir brauchen vielfältige Formen des Protests! Unsere Erde ist gerade dabei, zerstört statt gerettet zu werden. Wie viele Menschen müssen durch Gewalt und Waffen sterben, jeder einzelne ist eine und einer zu viel!  Unsere Kinder haben ein Recht auf eine menschenwürdige Zukunft in einer lebenswerten Welt!

Friede bedeutet auch heute nicht nur Waffenstillstand. Frieden ist eine gesellschaftliche Vision und beruht auf Gerechtigkeit zwischen allen Menschen auf der Erde.

“Der wahre Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg, sondern die Anwesenheit von GERECHTIGKEIT.“

Das formulierte die Feministin und Friedensaktivistin  Jane Addams aus den USA schon in der Zwischenkriegszeit so.

Diese Gerechtigkeit ist darüber hinaus auch ein behutsamer Umgang mit der Schöpfung, sie muss allen Wesen und der ganzen Natur zugute kommen.

Was stellen wir uns vor:

  • Wir wollen uns selbst befrieden und Friede schaffen
  • in unserem Herzen,
  • in unseren Familien,
  • in unserem Umfeld,
  • Wir treten ein für gesellschaftlichen Frieden in unserem neutralen Land.
  • Wir protestieren dagegen, dass in unserem neutralen Land Waffen oder Waffenbestandteile produziert werden und auf Umwegen in kriegsführende Länder gelangen. In unserer Umgebung nenne ich hier die Firma Rotax in Gunskirchen und die Firma Rheinmetall Waffe Munition Arges GesmbH in Schwanenstadt.
  • Mit der Solidarwerkstatt Österreich unterstützen wir einen Ausstieg aus den Militarisierungsartikeln des EU-Vertrags und fordern eine Politik der wirkmächtigen Neutralität in Österreich
  • Wir brauchen Friedensarbeit an den Schulen statt Unterrichtseinheiten, die für das Bundesheer werben.
  • Wir wollen, dass unser Steuergeld für Frieden statt Aufrüstung verwendet wird.
  • Wir unterstützen keine Kürzungen bei Sozialleistungen, um die Militarisierung in Österreich zu finanzieren.

Und schlussendlich: Wie es WILPF, die Frauenfriedensbewegung, der auch Jane Addams angehörte, so treffend auf Englisch formuliert :

Move the money from war to peace! ( Bewegen wir doch das Geld von der Kriegswirtschaft zur Arbeit für den Frieden!)