Rede von Meinrad Schneckenleithner, aktiv bei Pax Christi OÖ, bei der Kundgebung "Frieden für Palästina - Waffenstillstand sofort!" am 22.12.2023 im Linzer Schillerpark.


Sehr geehrte Damen und Herrn, liebe Friedens-Freundinnen und Freunde!

Wenn wir hier zusammengekommen sind und nicht unseren Weihnachtsvorbereitungen nachgehen, dann hat das einen entscheidenden Grund: wir müssen uns einer riesigen Gewalt – einem Genozid, einem Völkermord entgegenstellen! Dieses Muss, dieses nein zu Gewalt und Krieg,  gilt grundsätzlich – wann und wo auch immer. Für uns alle als Christen, als säkulare Menschenrechtsaktivisten, und für uns als demokratisch und plural denkende StaatsbürgerInnen Österreichs. Es gilt aber jetzt ganz besonders, wegen der laufenden israelischen Gewalt, die in Gaza, an den uns nahen Küsten des Mittelmeeres, von der israelischen Armee gegenüber palästinensischen Menschen, Frauen und Kinder, Alten und Jungen, aber auch ausländischen Hilfskräften, Journalisten und selbst entführten Israelis, ausgeübt wird.

Ich habe gestern in einem Bericht aus den USA gelesen: Israel hat nicht die Absicht, die Zahl der zivilen Opfer zu verringern. (Nethanjahu lehnt ja nach wie vor einen Waffenstillstand ab) Es hat bereits 18.800 Palästinenser getötet, das sind 0,82 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens - das entspricht etwa 2,7 Millionen  Amerikanern. Weitere 51.000 wurden verwundet. Nach Angaben der UNO hungert die Hälfte der Bevölkerung des Gazastreifens. Viele palästinensischen Einrichtungen und Dienstleistungen, die das Leben aufrechterhalten - Krankenhäuser (nur 11 von 36 Krankenhäusern im Gazastreifen sind noch "teilweise funktionsfähig"), Wasseraufbereitungsanlagen, Stromnetze, Abwassersysteme, Wohnungen, Schulen, Regierungsgebäude, Kulturzentren, Telekommunikationssysteme, Moscheen, Kirchen, UN-Lebensmittelverteilungsstellen - wurden zerstört. Israel hat mindestens 80 palästinensische Journalisten und Dutzende ihrer Familienangehörigen sowie über 130 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und ihre Familienangehörigen ermordet.

Weiter heißt es im Bericht: Die zivilen Opfer sind der springende Punkt. Dies ist kein Krieg gegen die Hamas. Es ist ein Krieg gegen die Palästinenser. Das Ziel ist es offensichtlich, 2,3 Millionen Palästinenser aus dem Gazastreifen zu vertreiben oder zu töten.

Ich frage mich bei diesem Bericht: soll so die zionistische Idee des Judenstaates, in der Form eines israelischen Staates nur für Juden in Palästina, umgesetzt werden? Soll das die ‚Heimstätte in Palästina‘ sein, von der die Balfour-Erklärung 1917 im Brief an den zionistischen Weltkongress gesprochen hat? Wenn das so wäre, es wäre furchtbar! Es wäre eine zweite Form eines rassistischen Antisemitismus! Palästinenser werden ja lt. Wikipedia ebenfalls der semitischen Volksgruppe zugerechnet.

* Als Christ und aktives Mitglied der kirchlichen Friedensbewegung Pax Christi fordere ich - so wie Papst Franziskus - die sofortige Einstellung der Kampfhandlung, einen Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensgesprächen!

* Als Österreicher fordere ich die Bundesregierung und besonders unseren Außenminister v. Schallenberg auf, nicht, wie zuletzt in der UNO - mit Israel und den USA - gegen einen humanitären Waffenstillstand in Gaza zu stimmen. Österreich hat sich damit nicht nur gegen die Weltgemeinschaft gestellt, die diese Forderung mit 153 Ja unterstützt hat, sondern auch unseren Status der immerwährend Neutralität verletzt!

* Als Europäer fordere ich die USA auf, sich im Sicherheitsrat nicht weiter gegen die Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand zu positionieren.

Fordern wir: Dauerhafter Waffenstillstand jetzt! Gerade jetzt zu Weihnachten, dem Fest des Friedens.

Oder: Um mit unserer österreichischen Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner zu sprechen. Die Waffen nieder!

Danke für ihre Aufmerksamkeit!

Hinweis:
Solidarwerkstatt-Dossier zum Krieg in Palästina
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