Rede von Judith Rachbauer, Frauen für den Frieden OÖ, bei der Abschlusskundgebung "RHEINMETALL RAUS!" am 20.9.2025 in Schwanenstadt.


Liebe TeilnehmerInnen und Teilnehmer an der Demonstration gegen die Rüstungsproduktion durch Rheinmetall Waffe Munition ARGES GmbH. Ich komme von der Initiative Frauen für Frieden Oberösterreich.

Für meinen Kurzrede habe ich mir den Internet-Auftritt der Rheinmetall Waffe Munition und der Tocherfirma ARGES angesehen. Zunächst ist da viel die Rede von sozialer Verantwortung, von Menschenrechten, sogar von der umfassenden Sicherung des Friedens:

Zitat: Durch unsere Arbeit auf unterschiedlichen Feldern übernehmen wir bei Rheinmetall Verantwortung in einer sich dramatisch verändernden Welt. Mit unseren Technologien, unseren Produkten und Systemen schaffen wir die unverzichtbare Grundlage für Frieden, Freiheit und für nachhaltige Entwicklung: Sicherheit.

Wir friedensbewegte Frauen sagen: Man kann man Frieden mit militärischer Sicherheit nicht bewerkstelligen. Sicherheit für unser aller Leben liegt in ganz anderen Bereichen:

Es geht um die Möglichkeit, sich frei zu entfalten,

um die Möglichkeit in Würde alt zu werden,

um Bildung und Kinderbetreuung,

um Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen und Minderheiten,

um eine menschenfreundliche Architektur und faire Wohnungspreise,

um gerechte Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Entlohnung,

um Klimaschutz,

um Nahrungsmittelsicherheit,

um größtmögliche Gleichheit der Gesellschaft durch Umverteilung von oben nach unten –

und das weltweit.

Man muss schon ziemlich tief in die Homepage – und zwar unter dem Suchbegriff „Wirkmittel“ -  eintauchen, damit man auf viele militärische Produkte kommt und entdeckt, welche tödlichen Waffen in dieser Firma produziert werden. In Schwanenstadt sind dies vor allem 40 mm Low Velocity Munitionen mit Zitat : „unterschiedlichen Effekten“ „Darüber hinaus hat sich die Gesellschaft durch eine lange Tradition in der Herstellung von Wirkmitteln weltweit einen Namen gemacht.“

Nun, der Begriff „Wirkmittel“ hat Franz und mich besonders stutzig gemacht. Wirkmittel ist laut etymologischem Wörterbuch ein verhüllender Ausdruck für militärische Mittel.

Diese Sprache verheimlicht, dass die Wirkung dieser Mittel tödlich ist.

Sie bedeutet Vernichtung und Zerstörung für den militärischen Gegner aber auch (beachte hier wieder die Sprache! ) als sogenannter „Kollateralschaden“ Vernichtung und Tod für die Zivilbevölkerung.

Wirkmittel ist ein beschönigender, verharmlosender, zudeckender Ausdruck für militärische Wirklichkeiten.

Dabei kommt die Rede vom Wirken, Arbeiten, Bewerkstelligen, Wirken – d.h. arbeiten mit Stoff - ursprünglich aus dem Bereich der menschlichen Arbeit.

Theologisch gesehen kommt das Wirken auch Gott zu, der in seiner Schöpfung, der Welt, wirkt. Er oder sie tut das zum Guten für die Menschen.

Jetzt haben wir also zweimal Wirken: das des militärischen Bereichs, das Wirken von Rüstungsfirmen, das Wirken von Rheinmetall

und das Wirken Gottes.

Das eine Wirken hat eine vernichtende Wirkung und schafft eine Wirklichkeit des Todes

das andere göttliche Wirken schafft Leben für alle Menschen auf der Welt.

Wir müssen uns bewusst sein: wir leben in dem einzigen großen Haus der Welt.

Die ganze Menschheit ist eine Familie.

Dieser Menschheitsfamilie darf nicht mit tödlichem Wirken begegnet werden.

Wenn ihr mit Vernichtung begegnet wird, haben wir unser Ziel eines guten Lebens für alle verfehlt, verwirkt. Die Folgen dieses Verwirkens, dieses fehlgeleiteten Handelns sehen und lesen wir täglich in den Medien.

So will uns der militärische Apparat weismachen, dass einer des anderen Feind ist,

dass man vor dem anderen auf der Hut sein muss,

dass man rüsten muss, um sich in diese Logik der Sicherheit für die eigenen Leute zu begeben,

dass man militärische Wirkmittel braucht, aus denen durch Drohung ein Gleichgewicht des Schreckens entstehen soll.

Wir weisen das Gerede von der sozialen Verantwortung von Rheinmetall aufs Schärfste zurück.

Unsere Verantwortung beruht darin, dass wir uns als Menschen umeinander kümmern und füreinander sorgen. Das ist die einzige Chance, die wir auf dieser Erde haben, wenn zukünftige Generationen hier eine lebenswerte Welt vorfinden sollen.

Wir von Frauen für Frieden  denken, dass wir gerade in Zeiten der Krise die Samen des Friedens säen müssen. Diese Samen fallen in die Erde. Manche von ihnen entwickeln im Dunklen und fast unbemerkt ein zartes Leben, werden zu Pflänzchen, die sich zu kräftigen Bäumen entwickeln können, in deren Kronen die Vögel des Himmels wohnen.

Wie Nazim Hikmet so wunderbar formulierte: Wir wollen leben, einzeln und frei wie ein Baum und geschwisterlich wie ein Wald.