Rede von Harald Müllner von der Bürgerinitiative Datencenter Kronstorf am 12.6.2026 bei der Kundgebung „Erst denken, dann entscheiden – Nein zum Stromfresser Google!“ in Kronstorf. Er gibt eine Überblick die besorgniserregende Datenlage.
Die Bürgerinitiative verfolgt das Ziel, alle Fakten zu sammeln, Transparenz zu schaffen, die Auswirkungen auf Gesellschaft, Umwelt sowie Lebensqualität offenzulegen und Rechtsverletzungen aufzuzeigen. Alle Zahlen basieren auf offiziellen Projektunterlagen, die über Anfragen nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) und dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) eingeholt wurden.
Die Argumentation gliedert sich in fünf Kernbereiche sowie eine Analyse der wirtschaftlichen Versprechen:
- Boden: Flächenverbrauch im INKOBA-Gebiet
- ● Aktueller Verbrauch: Allein durch die Infrastrukturflächen (wie Straßen mit ca. 15.000 m²) beläuft sich der beanspruchte Boden im interkommunalen Betriebsansiedlungsgebiet (INKOBA) aktuell bereits auf 95.000 m².
- ● Ausschöpfung des Areals: Insgesamt stehen 70 Hektar zur Verfügung – dieses Großkontingent ist mittlerweile faktisch restlos ausgeschöpft.
- ● Mangelnde KMU-Förderung: Pläne für lokale Klein- und Mittelbetriebe existieren keine.
- ● Verhältnis zu Arbeitsplätzen: Der enorme Flächenverbrauch von 70 Hektar steht im Widerspruch zu weniger als 70 Google und 300 DM (davon wurden 150 in Enns abgebaut) prognostizierten Arbeitsplätzen. Die Bürgerinitiative fordert hier einen klaren Stopp der nächsten Ausbaustufe.
- Strom: Intransparenz und Verbrauchsmengen
- ● Enormer Leistungsbedarf: Laut Gutachten beträgt die Spitzenleistung in Phase 1 bis zu 150 Megawatt, was dem Energiebedarf von rund 900.000 Haushalten entspricht.
- ● Vollausbau: Im finalen Ausbau droht ein Jahresverbrauch von 3,5 Terawattstunden – das übersteigt den Bedarf aller privaten Haushalte in ganz Oberösterreich.
- ● Geheimhaltung: Die zukünftigen Ausbaustufen werden geheim gehalten; eine IFG-Anfrage an die Energie AG wurde unter Verweis auf Wettbewerbsklauseln blockiert, und Wirtschaftslandesrat Achleitner äußert sich nicht.
- ● Rechtlicher Verdacht: Es besteht der Verdacht einer rechtswidrigen „Salami-Taktik“, um die Pflicht für eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu umgehen. Unter Verweis auf den Präzedenzfall Seiersberg wird betont, dass eine künstliche Aufsplitterung illegal ist und für die UVP-Pflicht immer die Gesamtkapazität zählt.
- ● Konsequenzen für Bürger: Für die Bevölkerung drohen höhere Netzkosten, Blackout-Risiken sowie eine stärkere Abhängigkeit von Stromimporten.
- Wasser: Massiver Grundwasserbezug
- ● Fördermenge: Über vier große Brunnen soll Grundwasser (Uferfiltrat) zur Kühlung gepumpt werden. Die genehmigte Förderleistung liegt bei 202 Litern pro Sekunde, was 17 Millionen Litern pro Tag entspricht.
- ● Veranschaulichung: Diese Menge entspricht täglich 340 durchschnittlichen Swimmingpools Dies deckt sich mit dem gesamten Jahreswasserverbrauch von Städten wie Steyr oder Wels.
- ● Gefährdung der Reserven: Die Brunnen grenzen direkt an ein behördlich geschütztes Grundwasserschongebiet, das als eiserne Trinkwasserreserve dient. Das gleichzeitige Absaugen und künstliche Einpressen wird als riskantes hydrologisches Experiment kritisiert, dessen Langzeitauswirkungen auf das Schongebiet und private Hausbrunnen völlig ungeklärt sind.
- Chemie und Mikroklima: Belastungen für Luft und Fluss
- ● Chemikalieneinsatz: Kühltürme begünstigen das Wachstum von Algen und Legionellen, weshalb permanent Enthärtungs-Chemikalien und Herbizide eingesetzt werden müssen. Europaweite Störfälle bei industriellen Rückkühlwerken zeigen das Risiko von unkontrollierten Chemieaustritten und belasteten Aerosolen in der Umgebungsluft.
- ● Wärmeeintrag in Flüsse: Das Absalzwasser wird mit einer Temperatur von bis zu 30 Grad Celsius direkt in die Enns geleitet.
- ● Klima-Auswirkungen: Im Sommer führt das Verdampfen von Millionen Litern chemisch behandelten Wassers zu einer künstlichen tropischen Schwüle über Wohnsiedlungen und Feldern. Es gibt dazu kein langfristiges, unabhängiges Gutachten. Zudem bleibt die erzeugte Wärmeenergie ungenutzt und geht verloren, anstatt zum Heizen von Haushalten verwendet zu werden.
- Lärm: Unvollständige Gutachten
- ● Mängel der Analysen: Das offizielle Gutachten nennt lediglich einen Schalldruck von 30 dB aus der Ferne (vergleichbar mit leichtem Blätterrauschen).
- ● Fehlende Werte: Es fehlen jedoch jegliche Angaben zum Frequenzspektrum; Infraschall und Bodenschall wurden überhaupt nicht untersucht. Tiefe Frequenzen können sich kilometerweit ausbreiten (analog zu Kreuzfahrtschiffen in Linz). Die Behörden stufen Infraschall ohne Vorliegen dieser Frequenzdaten als irrelevant ein.
- Das Versprechen: Arbeitsplätze und Steuern
- ● Reduzierte Zusagen: Ursprünglich wurden bei Google von 100 Arbeitsplätze versprochen – übrig geblieben sind laut aktuellem Stand knapp 70.
- ● Wertschöpfung: Auf der Baustelle arbeiten irische Baufirmen. Es bleibt unklar, wo die erzielten Gewinne versteuert werden und welcher tatsächliche Nutzen für Oberösterreich und Kronstorf verbleibt.
Die 5 Kernforderungen der Bürgerinitiative:
- Schluss mit der Geheimhaltung: Landesrat Achleitner und die Energie AG müssen die echten Daten, Ausbaustufen und den Strom-Zeitplan offenlegen.
- Lückenloses UVP-Verfahren: Das Gesamtprojekt muss in seiner vollen Kapazität geprüft werden; eine künstliche Aufsplitterung (Salami-Taktik) wird abgelehnt.
- Unabhängiges Sicherheitsgutachten: Eine Überprüfung der Störfallrisiken durch die Kühlchemikalien für die Atemluft und die Enns ist zwingend erforderlich.
- Unabhängiges Gesamtlärmgutachten: Es wird eine umfassende Analyse gefordert, die alle Anlagenkomponenten, ein vollständiges Frequenzspektrum sowie die Verkehrsströme (ca. 550 LKW pro Tag von DM) einschließt.
- Schutzgarantie: Es muss eine verbindliche Schutzgarantie für das Grundwasserschongebiet und alle privaten Hausbrunnen ausgesprochen werden.