Am Freitag, 12. Juni 2026 versammelten sich Menschen aus unterschiedlichen Zugängen bei der Baustellen des Google-Rechenzentrums in Kronstorf. Motto der Protestkundgebung: „Erst denken, dann entscheiden! Nein zum Stromfresser Google!“ Aufgerufen hatten die Solidarwerkstatt Österreich, Parents for Future OÖ, Guter Grund und Da Huat brennt.
Im Aufruf und in den Reden wurde vieles zur Sprache gebracht, was von Politik und Konzern lange Zeit unter der Decke gehalten, verschwiegen bzw. nicht öffentlich thematisiert wurde und wird:
- Der unglaubliche Strombedarf: Das Google-Rechenzentrum in Kronstorf wird
Strom in der Größenordnung von 900.000 Haushalten verschlingen. Wer bezahlt die enormen Infrastrukturen, die dafür notwendig sind? Woher kommt der Strom? Aus Fossil- und Atomkraftwerken benachbarter Länder? - Der enorme Wasserbedarf: Über zwei Milliarden Liter pro Jahr verschwinden jährlich aus dem Grundwasser für die Kühlung des Rechenzentrums. Danach wird das Wasser – mit Chemikalien versetzt – in die Enns zurückgeleitet. Dort führt es zu einer zusätzlichen Erwärmung, während die Abwärme selbst ungenutzt bleibt. Laut Gesetz darf die Erwärmung des Flusses maximal 3 Grad betragen.
- Der gewaltige Bodenfraß: Insgesamt werden für das Projektgebiet 70 Hektar fruchtbarstes Ackerland verbraucht. Davon entfallen 50 Hektar auf das Google-Rechenzentrum und 8,5 Hektar auf ein Verteilzentrum von DM, ein Teil wird für Infrastruktur IKOBA und der Rest der Flächen für kleinere Gewerbeansiedlungen genutzt werden. Nicht einmal eine Umweltverträglichkeitsprüfung war für dieses riesige Vorhaben erforderlich.
Über die unmittelbaren Folgen für Umwelt und Klima wurden eine Reihe weiterer Fragen aufgeworfen:
- Wie kann es sein, dass Konzerne wie Google riesige Profite einstreifen, während die negativen Folgen auf die Allgemeinheit abgewälzt werden und in der Region kaum Wertschöpfung und Arbeitsplätze erzeugt werden?
- Warum gibt es keine breite gesellschaftliche Diskussion über Sinn und Unsinn von Künstlicher Intelligenz? Es gibt zweifellos sinnvolle Anwendungen, etwa im Bereich der Medizin, aber auch ungemein gefährliche, z.B. für Massenüberwachung und für die Effektivierung der Kriegsmaschinerie.
- Wer seine digitale Infrastruktur vollständig in fremde Hände legt, macht sich abhängig und erpressbar. Wie können wir die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz – einer der wichtigsten Infrastrukturen der Zukunft – aus den Händen einer Handvoll Tech-Milliardäre in die demokratische Verfügungsgewalt der Gesellschaft bringen?
Auszüge aus den Reden:
Stefan Zauner, Parents für Future OÖ: "‘KI ist die Zukunft!‘ heißt es so schön. Aber bedenken wir die massiven negativen Effekte bei einem solchen - offensichtlich schlecht ausverhandelten - Megaprojekt: KI bringt uns nicht unser Trinkwasser, KI holt uns nicht unsere Lebensmittel aufs Teller und KI wird auch nicht unsere Stromrechnung bezahlen! Ganz im Gegenteil. Schützen wir also, was wir wirklich brauchen! Und fordern wir von unseren Entscheidungsträgern 100% Transparenz und konkrete Antworten anstatt billigen Marketingsprüchen!“
Eveline Steinbacher, Solidarwerkstatt Österreich: „Wir brauchen eine dreifache Einhegung der Digitalisierung: eine ökologische, eine demokratische und eine friedenspolitische: Der Energie- und Ressourcenverbrauch digitaler Systeme muss gesellschaftlich begrenzt werden. Die Entwicklung der digitale Infrastruktur muss öffentlich diskutiert und entschieden werden. Die Digitalisierung darf nicht dazu dienen, Kriege effizienter zu führen oder Überwachungssysteme auszubauen.“
Harald Müllner, Bürgerinitiative Datencenter Kronstorf: „Wir lassen uns nicht länger mit isolierten Einzelgutachten abspeisen, während nebenan ca. 70 Hektar Boden versiegelt werden und über zwei Milliarden Liter Wasser pro Jahr aus unserem Grundwasser verschwinden. Wir fordern eine ehrliche Gesamtbetrachtung!“
Dieter Wallentin, Da Huat brennt: „Wir fordern von der Politik: absolute Transparenz bei Großbauprojekten, die massiv in unser Leben eingreifen! Schutz unserer besten Ackerböden! Schutz unseres Grundwassers und unserer Flüsse!“
Gefordert wurde ein Moratorium beim Bau von Rechenzentren, um diese Fragen breit und demokratisch zu diskutieren. ERST DENKEN, DANN ENTSCHEIDEN!