Antwortschreiben der Solidarwerkstatt Österreich an das Mauthausen Komitee Österreich bzgl. der Ausladung bei den Befreiungsfeiern bei der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. "Im Gedenken an die Opfer der Verbrechen in Mauthausen derartige Verbrechen NIE WIEDER geschehen zu lassen werden wir auch 2027, gemeinsam mit unseren jüdischen und palästinensischen Geschwistern, an der Internationalen Befreiungsfeier in Mauthausen teilnehmen. Nicht weil es uns um Provokation geht, nicht weil es unser Recht ist, sondern weil es unserer Verantwortung entspricht."

Mauthausen Komitee Österreich
Obere Donaustraße 97-99/4/5
1020 Wien

Offenes Antwortschreiben zu Eurem Brief vom 3. Juni 2026, mit dem ihr versucht, der Solidarwerkstatt Österreich die weitere Teilnahme an der Internationalen Befreiungsfeier in Mauthausen zu verwehren.

Sehr geehrte Damen und Herren,

werte Kolleginnen und Kollegen.

Hiermit bestätigen wir Euer Schreiben vom 3. Juni 2026 erhalten zu haben und nehmen dazu wie folgt Stellung:

Zunächst zum Sachverhalt: Es gab nie eine, es gibt keine und es wird nie eine Vereinbarung zwischen dem Mauthausen Komitee Österreich und der Solidarwerkstatt Österreich geben, Symbole Palästinas bei der Internationalen Befreiungsfeier nicht mitzutragen oder vor dem Appellplatz zu entfernen. Das würde uns zu Kollaboranten bei den Versuchen machen, die Menschen Palästinas, ihre Symbole, ihr Land zum Verschwinden zu bringen. Daran werden wir niemals mitwirken.

Auch gab es keinen Handschlag zwischen unserem Vorsitzenden, Andreas Schütz, und eurem Vorsitzenden, Willi Mernyi. Richtig ist, dass Willi Mernyi auf unsere Delegation zugegangen war, und auf den jungen Mann, der die Palästinafahne getragen hatte, eingeredet hatte. Er hatte diesen jungen Mann in Dealmakermanier zu einem Handschlag mehr oder weniger genötigt. Dieser Teilnehmer ist nicht Mitglied unserer Organisation und war auch nicht berufen für unsere Delegation zu sprechen. Dieser junge Mann hat dann in weiterer Folge auch die Palästinafahne abgegeben. Wir wissen, wer dieser junge Mann war, werden aber dessen Namen nicht bekanntgeben. Er hat es nicht verdient, jetzt beschämt zu werden und zudem ist es in der Sache selbst völlig bedeutungslos.

In den Gesprächen vor dem Appellplatz wurde immer wieder auf eine Platzordnung verwiesen und kein einziges Mal inhaltlich begründet, warum das Tragen von Symbolen Palästinas unzulässig wäre. Für uns steht fest, die Internationale Gedenkstätte Mauthausen ist nicht irgendein Platz und das Mauthausen Komitee Österreich ist nicht dessen Platzwart. Die Gedenkstätte Mauthausen ist ein Erbe der Menschheit und Österreich ist aufgrund des Staatsvertrags verpflichtet, dieses Erbe würdig zu erhalten und zu verwalten. Jeder Mensch auf dieser Erde hat das Recht, die Gedenkstätte zu besuchen, der Opfer dieser Todesfabrik zu gedenken und seine Schlüsse für sein Leben und sein Handeln aus dieser Erfahrung zu ziehen. Klarerweise auch Menschen aus Palästina.

Gerade angesichts der aktuellen Ereignisse in Palästina ist die Mahnung geboten, die Verbrechen des Staates Israel nicht unseren jüdischen Mitmenschen anzulasten. Die Solidarwerkstatt Österreich fühlt sich voll und ganz diesem Auftrag verpflichtet. Deshalb war es für uns eine Ehre heuer in unserer Delegation, einen jüdischen Nachfahren eines Überlebenden des KZ Gusen und Menschen mit palästinensischer Herkunft begrüßen zu dürfen. Gemeinsam haben wir würdig der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen gedacht und gemäß dem Mauthausenschwur unsere Haltung: „Nie wieder gilt für alle Menschen!“ zum Ausdruck gebracht. 

Wir denken, dass dies eigentlich auch der Auftrag an das Mauthausenkomitee Österreich ist. Es wäre seine Aufgabe auch offizielle Vertreter Palästinas zur Internationalen Befreiungsfeier in Mauthausen einzuladen. Wie ihr stattdessen zur Denunziation gelangt, unser Auftreten wäre „pietätlos, unpassend und (eine) gezielte Provokation“ gewesen, bleibt uns ein Rätsel. 

Eure Feststellung, das würdige Gedenken an die KZ-Opfer, dürfe nicht „für sehr kontroversielle aktuelle Konflikte instrumentalisiert und missbraucht werden“ ist zum einen kontrafaktisch – es wird alljährlich bei der Befreiungsfeier auf aktuelle „Konflikte“, welch ein Euphemismus!, verwiesen - zum anderen steht sie in völligem Widerspruch zum Mauthausenschwur. Das Gedenken an die Opfer der Verbrechen in Mauthausen findet in der Mahnung, derartige Verbrechen NIE WIEDER geschehen zu lassen, seinen tiefen Sinn.

Abschließend stellen wir fest, dass wir auch 2027 gemeinsam mit unseren jüdischen und palästinensischen Geschwistern an der Internationalen Befreiungsfeier in Mauthausen teilnehmen werden. Nicht weil es uns um Provokation geht, nicht weil es unser Recht ist, sondern weil es unserer Verantwortung entspricht.

Wir ersuchen um Eure geschätzte Kenntnisnahme!

Der Vorstand im Juni 2026:

Norbert Bauer, Boris Lechthaler, Gerald Oberansmayr, Rudolf Schober, Elfriede Schoitsch, Andreas Schütz, Eveline Steinbacher, David Stockinger 

Hinweis:
Unterstützt die Online-Petition gegen die Ausladung der Solidarwerkstatt Österreich von den Befreiungsfeiern in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
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