Der Druck auf die Beschäftigten in der Voestalpine nimmt immer mehr zu, gleichzeitig wachsen die Gewinnausschüttungen an die Aktionäre. Während die FSG-Spitze im Betriebsrat mit dem Vorstand kuschelt, wird umso härter gegen Kritiker dieses Kuschelkurses in den eigenen Reihen vorgegangen. „Stress, Unsicherheit und Arbeitsbelastung haben ihre Grenze erreicht“, so Andreas Gmeinhardt, der für die Liste Gerechtigkeit und Solidarität (LGS) bei den Betriebsratswahlen in der Voestalpine in Linz kandidiert. Der Druck auf die Beschäftigten in der Voestalpine wächst immer mehr: Betriebe werden geschlossen, obwohl sie Gewinn machen; Instandhaltungswerkstätten von Kaltwalzwerk und Warmwalzwerk/Veredelung zusammengelegt, obwohl das von den Betroffenen scharf kritisiert wird; mit fragwürdigen Methoden ein Fünf-Schicht-System eingeführt.
Gleichzeitig schnellen die Gewinne des Unternehmens in die Höhe. Im aktuellen Aktionärsbrief für das 1. bis 3. Quartal 2014/2015 gibt der Vorstand bekannt, dass – im Vergleich zu den entsprechenden Quartalen im Vorjahr – die Gewinne vor Steuern um 19,4% und die Gewinne nach Steuern um 26,6% gewachsen sind – bei gleichbleibender MitarbeiterInnenzahl. Aus den Beschäftigten wird offensichtlich immer mehr herausgepresst, um die Aktionäre mit hohen Dividenden verwöhnen zu können. Seit 2010 zieht der Vorstand ein hartes Sparprogramm durch, im selben Zeitraum kletterten die Dividendenausschüttungen um 84% auf 155 Millionen in die Höhe.
Konzernbetriebsrat als „Assistent des Generaldirektors“?
Der von der FSG dominierte Voestalpine-Betriebsrat unterstützt die Sparpolitik des Managements in einem Ausmaß, dass der ehemalige FSGler und Gründer der „Liste Gerechtigkeit und Solidarität“ (LSG) Johann Linsmaier die Frage aufgeworfen hat, ob „der Konzernbetriebsratsvorsitzender Hans-Karl Schaller in Wirklichkeit Assistent von Generaldirektor Wolfgang Eder ist.“ Während also die FSG-Spitze im Betriebsrat mit dem Vorstand kuschelt, wird umso härter gegen Kritiker dieses Kuschelkurses in den eigenen Reihen vorgegangen. Das hat vor allem der LSG-Betriebsrat Johann Linsmaier zu spüren bekommen, der nach abwitzigen Vorwürfen entlassen wurde (Die Entlassung wurde später in eine Kündigung umgewandelt). So konnte sich die Betriebsratsmehrheit mit Hilfe des Vorstands einen lästigen Kritiker vom Leib schaffen.
Andreas Gmeinhardt will nun die Arbeit der „Liste Solidarität und Gerechtigkeit“ fortführen. Er erläutert seine Beweggründe: „Jahrelang war ich treuer FSG-Anhänger und gewerkschaftlicher Vertrauensmann. Leider hat man das Gefühl, unsere stolze, starke rote Fraktion erstarrt vor dem Vorstand und seinen Führungskräften. Die schon fast unheimliche Ruhe zum Projekt 1166 und das ewige Ausruhen auf den Errungenschaften der 1990er Jahre, haben das Vertrauen vieler Mitarbeiter an den großen Riesen FSG schwinden lassen. Um etwas zu ändern, habe ich vor einigen Tagen beschlossen, die Liste für Gerechtigkeit und Solidarität aktiv und für Euch weiterzuführen und neu zu aktivieren. Es soll mehr Informationen und Möglichkeiten der Mitbestimmung für alle MitarbeiterInnen geben.“ (1)
Eigentümlicher Kandidatenschwund
Diese Kritik ist der FSG-Betriebsratsmehrheit angesichts der bevorstehenden Betriebsratswahlen offensichtlich ziemlich unangenehm. Auf eigentümliche Weise sind unmittelbar nach der Bekanntgabe der LGS-Kandidatur zwei Kandidaten „abhanden gekommen“. Andreas Gmeinhardt dazu: „Am 4. Mai 2015 übergab ich dem BR-Wahlvorstand Klaus Haidinger die Liste der LGS für die BR-Wahl mit 6 Kandidaten. Anschließend begann ich meine Arbeit im Stahlwerk. Einige Kollegen aus dem Stahlwerk berichteten mir, dass zwei Kandidaten meiner Liste zum Betriebsrat gehen mussten. Um ca. 15 Uhr bekam ich einen Anruf von Wahlvorstand Haidinger, er habe ein Schreiben erhalten, dass zwei Kandidaten der LGS Liste erklärten, sie treten nicht zur BR Wahl an.“ (2)
Nachsatz und Resümee von Andreas Gmeinhardt: „Was ist hier passiert? Es macht mich traurig, dass Sozialdemokraten so ihre eigenen Werte, Gerechtigkeit, Demokratie und Solidarität, mit Füßen treten. Ein Satz zum Nachdenken. Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ (2)
Quellen:
(1) http://www.werkstatt.or.at/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=295
(2) http://www.werkstatt.or.at/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=296