Nein Danke!Sowohl Island als auch Griechenland waren massiv von der Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen. Doch während Island in den letzten Jahren einen selbstbestimmten Weg aus der Krise heraus gefunden hat, rutschte Griechenland immer weiter in die soziale und wirtschaftliche Katastrophe. Der Unterschied liegt auf der Hand: Island ist weder beim Euro noch in der EU.



Es ist klar, dass man die jetzige Situation Griechenlands nicht 1:1 mit der Situation von Island 2008 vergleichen kann. Trotzdem ist es sinnvoll, sich mit dieser Thematik näher zu befassen.

Obwohl Island 2008 vor einem Schuldenberg stand, der dem Zehnfachen des Bruttoinlandsprodukts entsprach und Griechenland dazu im Vergleich Staatsschulden in der Höhe von „nur“ 175% des BIPs aufweist, schaffte es der kleine Inselstaat binnen weniger Jahre sich bemerkenswert zu stabilisieren. Aus dem Negativwachstum von 7% 2009 war nach drei Jahren ein Plus von knapp 3% geworden. Die Arbeitslosigkeit beträgt ca. 4 Prozent und Inflation ist kein Thema mehr.

Warum man die beiden Länder trotz der 2008 viel prekäreren Lage Islands nicht vergleichen kann? Island hatte trotz der viel höheren Staatsverschuldung zwei entscheidende Vorteile: Es war weder in der EU, noch hatte es den Euro. So konnte der Inselstaat seine Pleite-Banken wirklich pleite gehen lassen, die Einlagen der „kleinen“ Sparer sichern und die institutionellen Anleger bis heute auf ihr Geld warten lassen. Über die Erstattung für ihre ausländischen Sparkunden hat darüber hinaus nicht eine PolitikerInnenriege entschieden, sondern mittels Referendum die Bevölkerung. So wurden die drei Großbanken in „newbanks“ und „oldbanks“ aufgespalten. Die neuen Banken wurden mit staatlichem Kapital ausgestattet und beschränkten sich auf überschaubare einheimische Aktivitäten. Den alten, abzuwickelnden Instituten wurde das gesamte Auslandsgeschäft mit vielen zweifelhaften Vermögenswerten und riesigen Verbindlichkeiten übertragen. Die isländische Bevölkerung weigerte sich mittels Dauerdemonstrationen und Volksabstimmungen strikt, sich die Bankschulden aufhalsen zu lassen.

Konsequenterweise wurden dann auch Anfang des Jahres die vier maßgeblich beteiligten Bankmanager zu Haftstrafen zwischen vier bis fünfeinhalb Jahren wegen betrügerischer Marktmanipulation und Untreue verurteilt, weil sie Gläubiger, Investoren, SparerInnen und die Regierung geschädigt hatten.

Natürlich gab es in dieser Zeit auch für die IsländerInnen Sparvorgaben und Einschnitte. Aber sie konnten selber entscheiden, wo. Die Bevölkerung beschloss, das Bildungssystem und den Sozialstaat nicht kaputtzusparen, z.B. ist in Island weiterhin jeder Bürger krankenversichert, in Griechenland sind es Millionen nicht mehr. Es wurde eine Reichensteuer eingeführt und die Progression bei der Einkommenssteuer wurde verschärft. Für Firmen gab es spezielle Umschuldungsprogramme und bei Immobilienkrediten einen Schuldenschnitt.

Die Voraussetzung für den Aufschwung der isländischen Exportwirtschaft und der Touristikbranche lag auch maßgeblich darin begründet, dass Island die Krone als eigenständige Währung abwerten konnte. Das traf ohne Zweifel weite Teile der Bevölkerung hart, trotzdem führte dies binnen weniger Jahre zur Konsolidierung Islands, das in Bezug auf soziale Gerechtigkeit in allen internationalen Vergleichen ganz oben steht.

Susanne Müller

4.10.2015