ImageInterview mit Norbert Bauer, Betriebsratsvorsitzender einer großen Hotelkette und Vorsitzender der Solidarwerkstatt, zum Lohnabschluss im Bereich Hotel/Gastgewerbe.

Werkstatt-Blatt: Der Bereich Hotel/Gastgewerbe zählt zu den Niedriglohnbranchen mit einem Mindestlohn von 1.205 Euro brutto. Die Gewerkschaft ist mit der ambitionierten Forderung von 1.450 Euro Mindestlohn in die Verhandlungen gegangen. Wie bewertest Du den erreichten KV-Abschluss?

Norbert: Dieser KV-Abschluss ist durchaus als schöner Erfolg, für manche Betriebe sogar als sensationell zu bezeichnen, wenn es auch einen Wermutstropfen dabei gibt: die WKÖ Tirol und die WKÖ Burgenland wollten das Verhandlungsergebnis nicht mittragen, was aber auch die Zerrissenheit der WKÖ bei diesen aufreibenden und zähen Verhandlungen widerspiegelt. Ohne die ambitionierte Forderung von 1450.- Mindestlohn hätten wir womöglich nicht die jetzige Anhebung des Mindestlohns von derzeit 1205 auf 1320.- bis zum Frühjahr 2013 erreicht.  auch die 3,45% Erhöhung bei allen darüberliegenden  Löhnen.- und Gehältern ist für unsere Branche- gemessen an den Ergebnissen der letzten Jahre- durchaus herzeigbar und daher als Erfolg  zu bezeichnen. Sensationell ist dieses Ergebnis für jene Betriebe zu werten, in denen es gute Betriebsvereinbarungen gibt, die nun im Zuge des komplexen Verhandlungsergebnisses mit einer Reallohnerhöhung von 7,6-7,9% bis Dezember 2012 rechnen können.

Werkstatt-Blatt: Warum sind kräftige Mindestlohnerhöhungen aus Deiner Sicht so wichtig?

Norbert: Die programmatische Forderung der Solidarwerkstatt nach 1500.- Euro brutto Mindestlohn für Alle ist vorbildhaft, weil sie die erstrebenswerte politische Stoßrichtung vorgibt. Wer einen Auf.- und Ausbau des Solidarstaatsmodels anstrebt, erreicht mit einer sukzessiven Anhebung der Mindestlöhne nicht nur ein besseres Einkommen der betroffenen Beschäftigten, sondern auch Mehreinnahmen bei der Lohnsteuer und den Sozialversicherungsabgaben .Damit wird also  auch ein  volkswirtschaftlich wichtiger Beitrag zur notwendigen Steigerung der Abgabenquote geleistet, was -, neben einer genauso nötigen allgemeinen Wertschöpungsabgabe -,ebenfalls mit dazu beiträgt,  die Budgets für Bildung, Gesundheit, Pflege, öffentlich Verkehr etc. nachhaltig zu erhöhen.

Werkstatt-Blatt: Die Solidar-Werkstatt hat die Gewerkschaftsforderungen nach Kräften unterstützt, u.a. mit einer Online-Kampagne, die von vielen unterschrieben wurde. Helfen solche Kampagnen?

Norbert: Die Kampagnen der Solidarwerkstatt zur Unterstützung der Gewerkschaftsforderungen waren aüßerst hiflreich, vor allem in der Anfangsphase, als es galt, medialen Druck aufzubauen und die Muster der gewohnten Verhandlungsstrategien zu durchbrechen. Ein Herzlichen Danke  daher an alle jene Mitglieder und Sympathisanten der Solidarwerkstatt Österreich, die mit großem Enthusiasmus sowohl die Info-Folder der Gewerkschaften in ihrem Umfeld verteilten als auch via online-Unterschrift auf  www.solidarwerkstatt.at  die Anliegen von vida und GPA-djp bei diesen KV-Verhandlungen unterstützten.

---------------------------------------------------------------------------------------------------

MITMACHEN - MITMACHEN - MITMACHEN - MITMACHEN - MITMACHEN

Schickt Protestmails an die Wirtschaftskammern Tirol und Burgenland, damit auch diese dem neuen KV beitreten. Hier eine Vorlage für einen solchen Brief:

An
Wirtschaftskammer Tirol und Burgenland

Fachgruppe Hotelerie/Gastgewerbe

Hört auf, Hungerlöhne zu zahlen!
Unterschreibt sofort den neuen Kollektivvertrag Hotelerie/Gastgewerbe!

200.000 Menschen arbeiten in Österreich im Bereich Hotel und Gastgewerbe. Viele von ihnen bekommen wenig Geld für harte Arbeit. Der bisherige Mindestlohn liegt nur knapp über 1.200 Euro (brutto) für 40 Wochenstunden. Durch den neuen Kollektivvertrag werden Mindestlohn bzw. -gehalt bis zum Frühjahr auf 1.320 Euro angehoben. Doch die Wirtschaftskammer von Burgenland und Tirol haben sich geweigert, diesen Kollektivvertrag zu unterzeichnen. Wir sind empört über diese Haltung der Arbeitgeberseite in diesen beiden Bundesländern. Das ist eine Herabwürdigung der Arbeitsleistung ihrer Beschäftigung, mit der auch dem Image Ihrer Branche in Tirol und Burgenland Schaden zugefügt wird. Es ist eine Schande, Hungerlöhne zu zahlen, mit der die Betroffenen trotz Vollzeitarbeit ein Leben an oder unter der Armutsgrenze führen müssen. Unterzeichnen Sie daher sofort den neuen Kollektivvertrag!

Name…………………………………………….......................

Adresse ………………………………………….....................

Mails schicken an
Wirtschaftskammer Burgenland Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Wirtschaftskammer Tirol Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!