Die Arbeiterkammer hat im März 2026 erneut auf ein strukturelles Problem am österreichischen Arbeitsmarkt aufmerksam gemacht: den massiven Lohnraub durch unbezahlte Überstunden. Jeder vierte Überstunden wurde 2025 weder bezahlt noch durch Zeitausgleich abgegolten. Eine Zunahme von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Im Jahr 2025 leisteten Arbeitnehmer:innen in Österreich insgesamt rund 170 Millionen Mehr- und Überstunden. Besonders brisant: 45,9 Millionen dieser Stunden wurden weder bezahlt noch durch Zeitausgleich abgegolten. Das bedeutet, dass mehr als jede vierte Überstunde unvergütet blieb. Das ist eine Zunahme im Vergleich zu 2024 um 8,5%. Laut AK entspricht dies einem entgangenen Einkommen von rund 2,5 Milliarden Euro.
Dieser Lohnraub setzt sich zusammen aus
- ca. 1,2 Milliarden Nettolöhnen, die unmittelbar in der Brieftasche der betroffenen Arbeitnehmer:innen fehlen
- 550 Millionen vorenthaltene Steuereinnahmen und
- 950 Millionen fehlenden Sozialbeiträgen (für Pensions-, Krankenkasse usw.).
In Zeiten knapper öffentlicher Kassen müsste eigentlich besonderes Interesse bestehen, dass dieser strukturellen Betrug endlich bekämpft wird. Aber Fehlanzeige: So fehlen oft ausreichende Kontrollen der Arbeitszeitaufzeichnungen, und bestehende Regelungen werden nicht konsequent durchgesetzt. Auch sogenannte Verfallsfristen in Arbeitsverträgen führen dazu, dass Ansprüche auf Bezahlung oft schon nach kurzer Zeit nicht mehr geltend gemacht werden können.
Lohnraub 100-fache des „Sozialbetrugs“
Dafür wird umso intensiver der „Sozialbetrug“, also der missbräuchliche Bezug von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld/Notstandshilfe, Wohnbeihilfe etc. verfolgt und skandalisiert. Seit 2018 existiert sogar eine eigene Task-Force zur Bekämpfung des Sozialbetrugs. 2024 wurden ein Schaden von 23 Millionen aufgedeckt – ein Hunderstel des Lohnraubs der Unternehmen an den Arbeitnehmer:innen! Die kleinen Verbrechen verfolgt man mit unnachgiebiger Härte und maximaler Öffentlichkeit, um Stimmung gegen Arbeitslose und Sozialleistungsempfänger:innen zu machen. Über die großen Verbrechen wird in den Mainstream-Medien dagegen der diskrete Schleier des Verschweigens gebreitet.
Die Arbeiterkammer fordert ein Bündel an Maßnahmen gegen diesen Lohnraub. Dazu zählen strengere Kontrollen durch das Arbeitsinspektorat, eine verpflichtende und fälschungssichere Arbeitszeiterfassung, eine stärkere Position der Arbeitnehmer:innen sowie wirksamere Sanktionen gegen Unternehmen, die Überstunden nicht bezahlen, wie z. B. ein Strafzuschlag bei vorenthaltenem Lohn sowie zusätzliche Abgaben für nicht korrekt abgegoltene Überstunden.