In einer Urabstimmung haben die Beschäftigten im Gastgewerbe und in der Hotellerie einen Lohnabschluss unter der Inflation abgelehnt. Daraufhin haben die Arbeitgeber die Verhandlungen abgebrochen. Die Löhne und Gehälter in dieser Branche liegen um fast 40% unter dem durchschnittlichen Einkommen.


Die Arbeitgeber im Bereich Gastgewerbe und Hotellerie haben die Kollektivvertragsverhandlungen abgebrochen. In einer Urabstimmung der Gewerkschaft unter den Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie hat einer Mehrheit gegen das Angebot der Arbeitgeberseite gestimmt, das einen Lohnabschluss unter der Inflationsrate vorgesehen hatten (3% Lohnerhöhung bei 3,5% rollierende Inflation; 3,4% für die niederste Lohngruppe).

Damit setzt sich in den Kollektivvertragsverhandlungen der Trend fort, Lohnabschlüsse zum Teil kräftig unter der Inflation durchsetzen zu wollen. In Gastgewerbe und Hotellerie ist das für die Lebenshaltungskosten der Beschäftigten besonders fatal. So hat eine Studie die Arbeiterkammer für Oberösterreich ergeben, dass das Median-Nettoeinkommen in dieser Branche um fast 40 Prozent unter dem durchschnittlichen Lohnniveau liegt.

„Rekordumsätze und historische Nächtigungszahlen müssten sich auch in fairen Löhnen widerspiegeln.“

Die Gewerkschaft vida kritisiert das Vorgehen der Unternehmerseite scharf: „Der österreichische Tourismus schreibt neue Bestmarken. Laut den aktuellen Zahlen der Statistik Austria wurden im Mai 2026 rund 9,6 Millionen Nächtigungen verzeichnet – so viele wie noch nie in einem Mai seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1973.  Wirtschaftlich geht es der Branche hervorragend. Umso unverständlicher ist es, dass die Arbeitgeber die Kollektivvertragsverhandlungen für Hotellerie und Gastronomie abgebrochen haben und den Beschäftigten keinen vollen Ausgleich der Teuerung zugestehen wollen.“

Es kann nicht sein, dass „während Hotels und Gastronomiebetriebe in den vergangenen Jahren ihre Preise massiv erhöht haben und von einer starken Nachfrage profitieren, ausgerechnet jene, die diesen Erfolg täglich erarbeiten, auf Kaufkraft verzichten. Rekordumsätze und historische Nächtigungszahlen müssten sich auch in fairen Löhnen widerspiegeln.“

"Wer dringend Personal sucht, kann nicht gleichzeitig Reallohnverluste verlangen."

Seit Jahren beklagen Arbeitgeber einen Mangel an Arbeitskräften im Tourismus. Für die Gewerkschaft vida liegt die Ursache jedoch nicht in fehlenden Beschäftigten, sondern in unattraktiven Arbeitsbedingungen und zu niedrigen Einkommen: „Wer dringend Personal sucht, kann nicht gleichzeitig Reallohnverluste verlangen. Faire Bezahlung, planbare Arbeitszeiten und gute Arbeitsbedingungen sind die entscheidenden Faktoren, um Menschen langfristig für Berufe in Hotellerie und Gastronomie zu gewinnen und in der Branche zu halten.“

Mit Verweis auf die Urabstimmung kommt für die Gewerkschaft „ein Abschluss auf Kosten der Kaufkraft kommt nicht infrage.“ Die vida fordert ein neues, verhandlungsfähiges Angebot, das die Teuerung angemessen berücksichtigt und den Beschäftigten die notwendige finanzielle Sicherheit bietet.

Kritik auch an der Regierung

Kritik übt die Gewerkschaft vida auch an der Bundesregierung: Sie warnt davor, „strukturelle Probleme in der Branche durch die verstärkte Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland zu überdecken.“ Anstatt dauerhaft auf Mangelberufsliste und Rot-Weiß-Rot-Karte zu setzen, brauche es Maßnahmen, „die den Tourismusberuf für Menschen in Österreich attraktiver machen. Faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen seien dafür die entscheidenden Voraussetzungen.“

(28.6.2026)