ImageUntersuchungen der Arbeiterkammer-Wien belegen, dass gerade seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise die Umverteilung zugunsten der Konzerneigentümer und ihrer Manager immer groteskere Züge annimmt.



So verdiente in den ATX-Unternehmen (d. h. den an der Wiener Börse notierte Unternehmen) das Management

im Jahr 2009 das 35-fache
im Jahr 2010 das 41-fache
im Jahr 2011 das 48-fache

des durchschnittlichen Einkommens der in ihren Unternehmen beschäftigten ArbeitnehmerInnen. Anders ausgedrückt: Während 2009 bis 2011 die Löhne und Gehälter um 3,7% gestiegen sind (was angesichts der Inflation Reallohnverlusten entspricht), sind die Managergagen um mehr als das zehnfache, nämlich fast 40% in diesen beiden Jahren gestiegen. Ein ATX-Manager bekommt heute binnen zwölf Monaten, wofür andere ein Leben lang arbeiten. Im Jahr 2000 war das Verhältnis von Vorstands-Gagen zu Beschäftigten-Einkommen noch 20 : 1.

Nicht weniger asozial ist die Dividendenpolitik dieser ATX-Unternehmungen. Einige Highlights der AK-Studien:

- Seit Beginn der Krise stiegen die an die Aktionäre ausgeschütteten Gewinne kontinuierlich an: von 1,628 Mrd. Euro (2007) auf 2,161 (2011). Das entspricht einem Plus von knapp 33%. An den Aktionären ist damit die Krise spurlosen vorbeigegangen. Bei den Beschäftigten ist sie dagegen voll angekommen: Im Zeitraum 2008 bis 2010 verloren über 22.000 ArbeitnehmerInnen in den ATX-Konzerne ihren Arbeitsplatz (minus 5% bei den Beschäftigten).

- 85 % der von den Unternehmen erwirtschafteten Jahresüberschüsse werden 2011 umgehend an die Aktionäre bzw. die Muttergesellschaft weitergereicht, nur 15 % der Gewinne verbleiben entsprechend im Unternehmen. Für 2012 zeichnet sich ab, dass 75% der ATX-Unternehmungen ihre Dividenden weiter steigern werden; zwei Drittel von ihnen zwischen 20 und 67%.

- Besonders aufreizend mästen die teilprivatisierte Telekom und Post AG ihre Aktionäre: Die Telekom schüttete im Jahr 2010 das fast 3,5-fache (349%) des Jahresüberschusses an die Aktionäre aus, im Jahr 2011 das 1,7-fache  (169%). In den Jahren 2012 gibt es trotz eines Verlusts von mehr als 250 Mio. Euro Dividenden in der Höhe von 168,2 Mio. Euro. Das Unternehmen wird regelrecht ausgeplündert. Mit Ende 2011 ist die Eigenkapitalquote auf unter 12% gesunken. Auch die Post AG lässt ihre Aktionäre leben. Während ein Postamt nach dem anderen zusperrt wird, genehmigte man in den Jahren 2009 und 2010 Ausschüttungen in der Höhe von 141% bzw. 127% des Jahresüberschusses. Seither stabilisieren sich die Ausschüttungen bei immer noch deutlich über 90% des erwirtschafteten Gewinns.

Mehr als die Hälfte der Lohnsumme wandert an die Aktionäre

Doch nicht nur bei den ATX-Konzernen, sondern weit darüber hinaus zeigt sich ein ähnliches Bild. Eine Untersuchung von 664 großen und mittleren österreichischen Kapitalgesellschaften ergibt, dass 2011 mehr als die Hälfte der Jahreslohn- und Gehaltssumme von 320.000 Beschäftigten direkt an die Aktionäre bzw. Muttergesellschaften fließt. Den Spitzenwert weist der Energiesektor (77,6%), gefolgt von der Industrie (55,0%) und dem Handel (53,7%).

Die Dividendenausschüttungen liegen 2011 beim 1,5-fachen des Investitionsvolumens (2010: 1,1,-fache). Die Investitionswachstumsraten haben sich im Vergleich zu den 90er Jahren halbiert. Das belegt, dass diese aberwitzigen Dividendenausschüttungen nicht nur verteilungspolitisch skandalös, sondern auch betriebswirtschaftlich kurzsichtig sind. Zur Verteilung: Nur knapp 4% der Haushalte in Österreich besitzen Aktien, innerhalb dieser Gruppe konzentrieren sich auf das oberste Zehntel 80% des Aktienbesitzes.

Diese Untersuchungsergebnisse bestätigen für die Solidar-Werkstatt einmal mehr:

- Es gibt keinen Grund zur Bescheidenheit bei den aktuellen Kollektivvertragsauseinandersetzungen. Der Versuch der Arbeitgeber, den sog. Euro-Plus-Pakt umzusetzen, muss mit aller Kraft entgegengetreten werden. Dieser im Vorjahr beschlossene Pakt der Euro-Staaten fordert die Mitgliedsstaaten auf, Kollektiv- bzw. Flächentarifverträge zurückzudrängen, um durch Lohndruck die „Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“. Genau diese Strategie verfolgen die Industriellen derzeit bei den KV-Verhandlungen im Metall-Bereich.

- Ebenso zurückweisen müssen wir die Attacken von EU-Kommission, Regierung und selbsternannten „Pensionsexperten“ auf das solidarische Sozialversicherungssystem. Gerade diese aufreizende Umverteilung zugunsten der Konzerneigentümer zeigt, dass endlich die gesamte Wertschöpfung in die Finanzierung der sozialen Sicherheit eingebunden werden muss, statt Pensionen und Gesundheit auf dem Altar einer enthemmten Kapitalwirtschaft zu opfern. 

- Wir brauchen nicht nur anständige Mindestlöhne, von denen man/frau leben kann, wir brauchen auch Einkommensobergrenzen. Denn diese eklatante Ungleichverteilung hat nicht mehr ansatzweise etwas mit Leistungsgerechtigkeit zu tun, sondern ist Ausdruck eines wachsenden Parasitismus der oberen Klassen, dem wir ein Ende setzen müssen.

- Das Gerede vom armen Realkapital, das wir gemeinsam gegen das böse Finanzkapital schützen müssen, ist gezielt in Umlauf gebrachter Unsinn, mit dem diese Entwicklungen verschleiert werden sollen. Es sind ein und dieselben Eliten, die alle diese Instrumente als Waffe gegen die arbeitenden Menschen in Stellung bringen. Eines der zentralen Instrumente dafür ist das Freihandelsdogma im Allgemeinen, das EU-Binnenmarktregime im Besonderen. Mit ihm werden die arbeitenden Menschen untereinander in eine mörderische Konkurrenz gezwungen. Der Ausbruch aus diesem Binnenmarktsregime ist daher die entscheidende Herausforderung für soziale und gewerkschaftliche Kräfte.

Quellen:

Markus Oberrauter, Christina Wieser; ATX-Managergehälter – Analyse per April 2012, AK-Wien
Markus Oberrauter, Christina Wieser; Ausschüttungspolitik der ATX-Konzerne, April 2012, AK-Wien
Markus Oberrauter, Christina Wieser; Ausschüttungspolitik in Österreich, Dividendenreport, September 2011, AK-Wien
Markus Oberrauter, Christina Wieser; Der Dividendenreigen ist eröffnet – Eine Analyse der Ausschüttungspolitik der ATX-Konzerne, Mai 2010, AK-Wien