Die Regierung plant Kürzungen im AMS-Förderbereich zwischen 25 und 30 Prozent. Sozialplattform OÖ warnt vor gravierenden Folgen und fordert in einem Offenen Brief an die Entscheidungsträger:innen Planungssicherheit und klare Zukunftsperspektive für arbeitsmarktpolitische Angebote.


Kürzungen zwischen 25 % und 30 % im AMS-Förderbereich setzen zentrale arbeitsmarktpolitische Angebote in Oberösterreich massiv unter Druck. Während in der Budgetrede von Zusatzmitteln für die aktive Arbeitsmarktpolitik gesprochen wurde, sind Kürzungen die Realität. Aktuell berichten in Oberösterreich 14 Sozialorganisationen mit arbeitsmarktintegrativen Angeboten von Kürzungen mit einem Gesamtvolumen von über 13,5 Millionen Euro für die Jahre 2026/2027. Betroffen sind Beschäftigungsprojekte*, Beratungsangebote und Frauenberufszentren.

100 Mitarbeiter:innen von Kündigung betroffen

Das AMS Frühwarnsystem wird von mehreren Sozialorganisationen ausgelöst. Nach aktueller Einschätzung sind mindestens 100 qualifizierte Mitarbeiter:innen von Kündigungen betroffen.

Die notwendigen Veränderungen und Schließungen der Angebote haben gravierende Folgen für arbeitssuchende Menschen, die nun keine oder nur noch deutlich eingeschränkte Unterstützung beim (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt erhalten, z.B. bei der Berufsorientierung, bei digitalen Suchstrategien nach offenen Stellen oder beim Abbau von gesundheitlichen Vermittlungshemmnissen. Gerade für die steigende Langzeitarbeitslosigkeit wären aber ausreichende Angebote notwendig. Fast ein Drittel der beim AMS OÖ arbeitslos gemeldeten Personen gilt als langzeitbeschäftigungslos (Mai 2026, 11.271 Personen sind ein Jahr oder länger arbeitslos, + 18,2% im Vergleich zum Vorjahr).

Weniger Unterstützung – weitreichende Folgen

Aus Sicht der Sozialplattform OÖ führen die Einschnitte zu einem deutlichen Qualitäts- und Wirksamkeitsverlust der arbeitsmarktpolitischen Angebote

  • Individuelle, maßgeschneiderte Beratung und Begleitung werden reduziert
  • Unterstützungsangebote für arbeitslose Menschen werden eingeschränkt
  • Regionale Strukturen als Leistungserbringer für Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonengeraten unter Druck
  • Bewährte Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt verlieren an Wirkung

Die Konsequenzen betreffen nicht nur die unmittelbar betroffenen Menschen, sondern haben Auswirkungen auf den gesamten Wirtschafts- und Sozialraum

„Wir stehen vor strukturellen Einschnitten“

„Die geplanten Kürzungen gehen weit über einzelne Projekte hinaus. Wir stehen vor strukturellen Einschnitten, die sich auf die gesamte arbeitsmarktpolitische Landschaft in Oberösterreich nachhaltig negativ auswirken werden“, betont Stefan Thurner, Geschäftsführer der Sozialplattform Oberösterreich.

Auswirkungen auf Wirtschaft, Regionen und Sozialsystem

Die Sozialplattform OÖ weist darauf hin, dass die Folgen der Kürzungen weit über den AMS-Kontext hinausreichen:

  • geringere Unterstützung für Unternehmen bei der Arbeitskräfteintegration
  • drohende Schließungen regionaler Standorte
  • Rückzug von Angeboten aus ländlichen Regionen
  • steigende Folgekosten im Sozial- und Gesundheitsbereich
  • Verlust von Arbeitsplätzen innerhalb der Trägerorganisationen

Forderungen: Planungssicherheit und klare Perspektive

Im offenen Brief formuliert die Sozialplattform OÖ zentrale Forderungen:

  • Planungssicherheit bis Ende 2027 für Trägerorganisationen und Beschäftigte
  • Entwicklung und Kommunikation eines klaren Zukunftsbildes für die arbeitsmarktpolitischen Angebote in Oberösterreich
  • Einbindung der Trägerorganisationen in strategische Entscheidungsprozesse

„Arbeitsmarktpolitik ist immer auch Sozial- und Gesundheitspolitik. Wenn Unterstützung reduziert wird, steigen an anderer Stelle die Folgekosten – für Betroffene ebenso wie für das gesamte System“, ergänzt Simone Diensthuber, Vorstandsvorsitzende der Sozialplattform Oberösterreich und Geschäftsführerin des IAB. Oder, wie es im offenen Brief heißt:
„Wer heute Unterstützung kürzt, zahlt morgen doppelt.“