Terminkalender

Buchpräsentation: "Land der Integren - Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen" (Wien)
Dienstag 03 Oktober 2017, 19:00

Land der Integren
Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen

Buchpräsentation mit dem Autor Günther LanierCover Burkina Faso web
Di, 3. Oktober 2017
19 Uhr, Amerlinghaus (Stiftgasse 8, 1070 Wien)
Veranstalter: Solidarwerkstatt (www.solidarwerkstatt.at), guernica-Verlag

Zum Buch:

Die erste Hälfte dieses Buches begleitet Burkina Faso – das Land der Integren – durch seine Geschichte. Von der Zeit “vor der Schrift“ geht es zu den ersten Kontakten mit europäischen Reisenden, die meist im Auftrag von Möchtegern-Kolonialmächten unterwegs sind. Frankreich kann sich schließlich durchsetzen, auf Verträge folgen die Mühen der tatsächlichen Landnahme. Weitgehend in den heutigen Grenzen wird 1916 eine Kolonie “Obervolta“ geschaffen. Ihre Rolle im französischen System ist die des Arbeitskräftereservoirs für die benachbarte Côte d’Ivoire, das Land selbst wird kaum “in Wert gesetzt“. Von Paris 1960 in die “Unabhängigkeit“ verstoßen, tun sich auch die neuen einheimischen Herren bei der “Entwicklung“ des Landes nicht hervor. Erst die Revolution von 1983 bringt wesentliche Impulse. Innert kurzer Zeit bewegt sich mehr als in den Jahrzehnten davor. Mit der Ermordung Thomas Sankaras 1987 findet das Bemühen um eine grundlegende Transformation jedoch ein jähes Ende. Der Hintermann des Mordes, Blaise Compaoré, “rektifiziert“ zuallererst die Revolution: Er steuert das Land zurück auf den neoliberalen Weg, den die nunmehr als entwicklungshelfende Gläubiger auftretenden Neokolonialmächte schätzen. Unter demokratischem Deckmantel konsolidiert er ein semi-autoritäres System und bleibt 27 bleierne Jahre lang an der Macht. Ende 2014 wird er per Volksaufstand verjagt. Nach einjähriger Übergangszeit samt abgewehrtem Putschversuch wird eine Equipe an die Staatsspitze gewählt, die tief im alten Machtapparat wurzelt. Kann und will sie Wandel und grundsätzliche Besserung bewerkstelligen und so die angestauten Erwartungen und Hoffnungen erfüllen?

In der zweiten Hälfte des Buches stehen endlich Frauen im Mittelpunkt. Im burkinischen Patriarchat ist ihnen eine Statistinnen-Rolle zugewiesen. Entsprechend sind sie in der offiziellen Geschichte nur selten sichtbar. Aber: Wenn das Land bis heute überlebt hat, die auf überaus periphere Art ins Weltsystem integrierte Ökonomie ebenso wie einzelne Haushalte, dann dank seiner Frauen. Sie tragen mehr als 70% zur Volkswirtschaft bei, insbesondere am Land, wo Ackerbau und Viehzucht drei Viertel der Bevölkerung beschäftigen und ernähren. “Familienoberhaupt“ ist immer der Mann, aber nur für wenige Familien wäre der Ausfall der Frau nicht existenzbedrohend.

Statt Dank ernten Frauen und Mädchen oft Gewalt. So geht es in dieser zweiten Buchhälfte unter anderem um Polygynie (“Vielweiberei“), Kinderhochzeit, zu frühe Schwangerschaften und Geburten, um Hexereivorwürfe und das Vertreiben von “Hexen“, und um Exzision, die v.a. an kleinen Kindern praktizierte Form des Zurechtschneidens des weiblichen Geschlechts.

Des Ertragens und Unterwerfens ist schon lange genug. Doch noch deutet nichts auf ein Rebellieren der Frauen.

Zum Autor
Günther Lanier, 1958 in Wien geboren, 1974-76 Stipendiat am Atlantic College in Süd-Wales. Seit 1975 viele Reisen. Studium der Ökonomie und Ethnologie in Wien, ersteres bis zum Ende. 1991 Publikation der Abschlussarbeit zur indischen Entwicklungspolitik. Ab 1990 und bis 1997 mittels Länder- und Länderrisikoanalyse Aufstieg zu Investmentbank-Prokura und -Bereichsleitung. Diverse Anstellungen, Publikationen und Unterrichtstätigkeiten (an Unis, dazu an einem United World College) in Österreich (bis 1999), in Indien (1999-2002), in Burkina Faso et al. Seit 2004 Mitarbeit an der SozialMarie, Preis für soziale Innovation, ab 2007 aus der Ferne. Seit 2002 Lebensmittelpunkt in Ouagadougou und Engagement in multilateralem (Unicef), bilateralem (deutsche und österreichische Kooperation) und vor allem zivilgesellschaftlichem Kontext gegen Gewalt an Frauen (Exzision, "Hexen"-Vertreibung,…).

 

Inhaltsverzeichnis

Land der Integren

Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen

Teil I: An der Peripherie der Peripherie. Historischer Überblick bis hin zur Postkolonie

Kap.1: Burkina vor der Schrift. Sozusagen die Prähistorie. Oder: Landeskunde entlang der Ethnien
Kap.2: Von der Mitte an den Rand der Welt
Kap.3: Die Anfänge der Fremdherrschaft
Kap.4: Kolonie, dann Teil einer Kolonie: Obervolta 1916-47
Kap.5: Von Frankreich schlussendlich verstoßen: Obervolta 1947-58
Kap.6: Verträge, Verfassungen, Staatsstreiche: Obervolta 1958-84
Kap.7: Burkina Faso seit 1984

Teil II: Die ewigen Fremden: Burkinas Frauen

Kap.8: Frauen im burkinischen Patriarchat. Ein Überblick
Kap.9: Die viele Gewalt gegen Frauen
Kap.10: Kinder als Bräute, Mädchen als Mütter
Kap.11: Hexereivorwürfe und Hexenvertreibung
Kap.12: Drei Viertel der burkinischen Frauen leben ohne Klitoris. Exzision et al.

Das Buch erscheint Ende September 2017 im guernica-Verlag.
Zu bestellen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!